Füssener Heimatzeitung Nr. 198

180 Füssener Heimatzeitung Nr. 198 vom Januar 2021 / I gesetzt hatte, so war die Pfanne, aus der alle gemeinsam aßen, schon leer! Geschichtlich Bis 1850 war das Jagdrecht in der Umgebung von Pfronten an die Pfrontener Gemeinde verlie- hen. Von 1850 bis 1918 wurde es dann an Privatpersonen verpach- tet, die vor allem Mitglieder des bayerischen Königshauses waren und später, ab 1918, pachteten Familien von Großindustriellen (Familie Bosch) die Wälder Pfron- tens. Schmuggeln im hohlen Baum DieWildschützen und Schmuggler waren in Pfronten immer zu Fuß und mit einem Rucksack in den Bergwäldern unterwegs. Leider bleiben wohl viele Schmuggler- und Wilderergeschichten für im- mer imVerborgenen, doch an die ein oder andere Geschichte er- innerten sich die Mitglieder des Heimatvereins Pfronten noch. Lars Christian Kink schrieb sie vor vielen Jahren liebevoll zu- sammen. Es war recht üblich, wenn man z.B. etwas über die österreichische Grenze schmug- geln wollte oder jemandem etwas illegal über der Grenze bringen wollte, dass man einen Platz ver- einbarte, an dem es abgelegt wurde und dann zu einem pas- senden Zeitpunkt wieder abgeholt wurde. Ein Pfrontener erzählte, dass dafür in seiner Familie im- mer ein hohler Baum verwendet wurde, der dann für eine Zeit alle möglichen illegal geschmuggelten Waren beherbergte, bis sein neu- er Besitzer die Sachen wieder abholte. Schlimmer wie mit der Weiberei Meist erzählte man sich diese Wilderergeschichten als nette Anekdoten, doch manchmal wur- de es auch blutiger Ernst, als z.B. der Jäger Krannwetvogl von einem Wilderer erschossen wurde. Hin- ter vorgehaltener Hand munkelte Fortsetzung auf Seite 182 Fortsetzung von Seite 178 Der Löffel unterm Tisch Sehr anschaulich beschreibt eine alte Pfrontener Geschichte diese Not, an die man sich heute nur noch dunkel erinnern kann: Es hieß, wenn in einer kinderreichen Familie einem Kind einmal der Löffel herunterfiel, so war das Essen für denjenigen schon ge- laufen, denn bis er seinen Löffel aufgehoben und sich wieder hin-  Konrad Krannwetvogl, der am 18. August 1924 von einem Wilderer erschossen wurde. Bild: Heimatverein Pfronten

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