Füssener Heimatzeitung Nr. 184

149 Füssener Heimatzeitung Nr. 184 vom Januar 2020 / II Spital, Spitalkirche, Armenhaus Im Jahre 1465 stiftete Konrad Bor- hoch 400 Gulden für den Bau ei- nes Spitals direkt am Lech. 1467 wurde die Spitalkirche angebaut. Nach einem Brand dieses ganzen Gebäudekomplexes wurde 1735 das Spital neu aufgebaut. Das Spital, oder auch „Armenhaus” genannt, war von Anfang an ein Haus für Bedürftige und Alte. So- mit war es auch immer ein so- ziales Haus, in demdie Menschen nah beieinander lebten. Nach dem Zweiten Weltkrieg lebten ei- nige Kinder mit ihren Familien dort und ihnen wurde eine sehr glückliche und aufregende Kind- heit zuteil. Eine bunte Besetzung Die Zusammensetzung der Haus- bewohner war recht bunt. Im Erd- geschoß wohnte der Hausmeister Franz Christa. Er war ein sehr kin- derfreundlicher Mann, auch wenn diese ihn oft sehr strapazierten. ImWinter lag zu dieser Zeit noch sehr viel Schnee. So viel, dass oft die Hälfte der Fenster bedeckt war. Und natürlich schaufelte der Hausmeister diese Unmengen an Schnee in mühseliger Arbeit zu einem Haufen im Hof zusammen. Tja, und Kinder lieben Schnee- haufen, und so wurde sein ganzes Werk oft wieder zerstört. Der „Christa Franz” war ein sehr gläu- biger Mensch und manchmal sah er aus wie aus einem Märchen. Spät abends gaben die Kinder oft vor, dass sie den Schlüssel verloren hätten, und baten den Christa Franz, ihnen aufzusperren. Dies taten sie nur, um ihn zu se- hen. Denn er hatte nachts immer ein weißes Nachtgewand und eine weiße Schlafmütze auf und sah aus, wie aus einer anderen Welt. Sie liebten ihn alle sehr. Im Erdgeschoß gab es dann noch eine Waschküche mit einem gro- ßen Waschbottich, den man mit Holz und Kohle beheizen konnte. Hier wurde auch das Badewasser aufgeheizt. In diesem Raum gab es noch einen Waschtisch aus Holz und eine Zinkbadewanne, in der alle Hausbewohner bade-  Schwester Alfredine war die Küchenchefin vom Spital. Im Hintergrund sieht man „Gusti”, die immer fleißig überall mithalf. Sie war wie die gute Seele des Hauses. Unten in diesem großen Ofen gab es eine Schublade. Dort tat Christine Syrko als kleines Mädchen immer ihr Kissen und ihre Decke rein, damit sie schön warm wurden. Bild: privat Fortsetzung auf Seite 152

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==