Füssener Heimatzeitung Nr. 271

Es ist wieder so weit: Die stillste Zeit des Jahres bricht an. Also, theoretisch. In der Praxis bedeutet die Weihnachtszeit für uns die nächste Blechlawine, die durch unsere kleine Stadt rollt. Ist es nicht absurd, dass es einem mittlerweile als Luxus erscheint, die Strecke Schwangau-Füssen in unter dreißig Minuten zu schaffen? UmWeihnachten herum wird es wieder voll in der Stadt und plötzlich, wie durch ein Weihnachtswunder, füllen sich die Gotteshäuser, die sonst das ganze Jahr kaum die erste Reihe voll bekommen. Man kennt sie: leicht verwirrt, mit einem Lächeln zwischen Rührung und Orientierungslosigkeit, wenn der Pfarrer den Text von „Stille Nacht“ ansagt und man plötzlich merkt, dass man nur die erste Strophe kann. Doch anWeihnachten, da wird man wieder spirituell. Da darf man sich für eine Stunde erleuchtet fühlen – von Kerzenlicht und kindlichemChor, versteht sich. Danach geht’s nach Hause, zumBraten, Bescherung und demetwas abgestandenen Gefühl, die Hauptrolle imeigenenWeihnachtsfilm zu spielen. Weihnachten für Rosinenpicker Eine Kolumne von Alexander Wintergerst Serie: Kolumne Halleluja

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