Füssener Heimatzeitung Nr. 269

135 Füssener Heimatzeitung Nr. 269 vom November 2025 gelegentlich einen Liter Milch zu bekommen. Jeden Tag marschier- te ich mit der Fanny in die Schule im Mädchenschulhaus, wo sich heute die Tourist-Info und die Musikschule befinden. Da wäh- rend des Krieges die Schulzeit nur zwei Stunden, entweder von acht bis zehn oder von zehn bis zwölf Uhr war, ergab sich fast täglich die Gelegenheit imHause Driendl, manchmal vor und manchmal nach der Schule, noch Kartoffeln mit Milch zu essen. Darüber war ich gerade während der Kriegszeit sehr glücklich, da ich oft Hunger hatte und es eine Wohltat für die Seele war zu wis- sen, dass ich bei den Driendls auf jeden Fall immer meinen Hun- ger stillen konnte. Das Haus der Driendls war wie eine zweite Hei- mat für mich. Manchmal hatte ich, wie es unter Kindern so ist, Streit mit meiner Freundin Fanny. Wutschnaubend verließ ich dann das Haus und schrie noch hinein: „Ich komme niiiiiiiiiiieeeeee wie- der.” Woraufhin Fannys Mutter, zu der ich mein Leben lang Driendl-Mutter sagte, jedes Mal zumBesten gab: ‚Cilly, Du gohsch vorna naus und hinda rei.‘ Und so war es auch. Der Konflikt dau- erte nie länger als ein paar Mi- nuten. Länger hätten Fanny und ich es gar nicht ausgehalten.“ Ein musealer Raum Trotz aller Not, die in den Kriegs- jahren herrschte, wurden die wichtigsten Feiertage dennoch begangen. Weihnachten hat Cilly als ein besonders schönes Fest in Erinnerung. Der bezaubernde Teddybär und eine schöne Puppe, welche sie als Kind einmal ge- schenkt bekommen hatte, zierten bis zu ihrem letzten Tag ihr Schlaf- Fortsetzung auf Seite 138  Cilly mit ihrer Firmpatin Tante Emmy, eine betuchte Cousine eines Onkels von Cilly, war Cillys Firmpatin. Sie war mit einem Chorregent verheiratet, weswegen sie ein schickes Auto hatte. Cilly wurde in dem Auto abgeholt und ab ging die Fahrt an den Plansee. Auch ihr Fuchspelz war damals ein Kleidungsstück, das sich nicht jeder leisten konnte. Cilly ist dieser Tag bis heute unvergesslich. Sie aß während des ganzen Tages so viel, dass sie sich abends übergeben musste. Bild: privat

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