Füssener Heimatzeitung Nr. 268

104 Füssener Heimatzeitung Nr. 268 vom Oktober 2025 Bis heute kursieren Gerüchte, nach denen König Ludwig II. als ein humorloser, ernster Mensch bezeichnet wird. Nur auf einigen wenigen Jugendbildnissen umspielt ein verhaltenes Lächeln seine Lippen. Ludwigs Mutter, die Königin Marie, teilte dem Leibarzt Franz Xaver von Gietl über ihr Baby im November 1845 mit: „Der Kleine ist so wohl wie uns möglich, er lacht viel u. ist sehr munter.“ Bekannt ist auch, dass der Kronprinz als Kind Spaß am Verkleiden hatte. Doch später sei er ein melancholischer, weltfremder Träumer gewesen, der sich exzentrisch verhielt und meist zurückgezogen lebte. Dieses Urteil rührt zweifellos vor allem daher, dass Ludwig II. auf Porträts immer ernst und ein wenig entrückt blickt. Doch dazu muss man wissen, dass ein ernster Gesichts- ausdruck bei fast allen Monarchen dieser Zeit durchaus üblich war. Wie etwa die spanischen Regenten, hielt auch Ludwig II. das Lachen in der Öffentlichkeit und bei Gesellschaften für einen König nicht angemessen. In späteren Jahren öffnete er auch wegen der schlechten Beschaffenheit seiner Zähne nur ungern den Mund, wie dies beim Lachen nun einmal üblich ist. Auch alle Bilder, die man vom erwachsenen König kennt, zeigen einen Menschen mit ernstem Ge- sichtsausdruck, weshalb Anhänger wie Gegner ihm den Humor bis heute ab- sprechen wollen. Humor, so könnte man daraus folgern, scheint Ludwig also unbekannt gewesen zu sein. Doch diese Vermutung ist nicht richtig. Hatte König Ludwig II. Humor? Ein Beitrag von Alfons Schweiggert König Ludwig II. von Bayern Worüber der König herzlich lachen konnte Lachen konnte Ludwig II. durch- aus und das vor allem in Gesell- schaft von Menschen, denen er vertraute. Das geschah nicht nur bei Festen und Spielen im Kreis von ihm nahe stehenden Be- diensteten, wie z.B. bei Spielen wie „Ringe verstecken“ oder „Schneider, leih mir die Scher.“ Etliche Episoden belegen, dass er dabei herzlich lachen konnte, wie dies etwa die österreichische Kaiserin Elisabeth einmal erlebte, als sie den 36-jährigen Ludwig zur Roseninsel begleitete. Beide ließen sich im Kahn eines Gast- wirts über den Starnberger See rudern. Außer dem Ruderer be- gleitete die beiden noch Sisis Mohr Rustimo, der ein Geschenk eines ägyptischen Paschas war. Auf der Rückfahrt begann Rustimo mitten auf dem See zur Gitarre fremde Volkslieder zu singen, was Ludwig amüsierte. Elisabeth erzählte davon später in zwei Ge- dichten: „Stumm flogen wir ne- beneinander / Versunken in tiefer Ruh... / Ein Schwarzer nur sang seine Lieder / Im kleinen Kahne dazu.“ Und: „Auf der spiegel- glatten Fläche / Zogen wir im leichten Nachen; / Und ein Schwarzer sang so drollig, / Ach! Wie herzlich klang Dein Lachen!“ Dafür, dass ihmRustimo ein herz- liches Lachen entlockt hatte, schenkte ihm der König einen goldenen Ring. Schallendes Gelächter im Wintergarten Schon als Kind hatte der Kron- prinz auch für alberne Scherze eine Ader. So rollte er seinen Fortsetzung auf Seite 106

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