Füssener Heimatzeitung Nr. 265
85 Füssener Heimatzeitung Nr. 265 vom Juli 2025 spektakulärer, aber ein kraftvoller. Manchmal beginnt diese Versöh- nung damit, dass wir uns erlau- ben, einfach nur dazusitzen und zu spüren: Ja, es tut weh. Und das ist in Ordnung. Kein Drama, kein Widerstand, kein „Ich sollte nicht“. Nur: Es ist da. Ich bin da. Wir beide – der Schmerz und ich – im selben Raum. Aus dieser Haltung kann etwas Neues ent- stehen: nicht unbedingt Erleich- terung, aber eine Formvon innerer ihm zuzuhören. Vielleicht ist das der Moment, in dem er sich ver- ändert. Nicht, weil wir ihn verän- dern wollten, sondern weil wir ihn endlich gesehen und zuge- lassen haben. ■ „Und solang du das nicht hast, Dieses: Stirb und werde! Bist du nur ein trüber Gast Auf der dunklen Erde.” (Zitat von Johann Wolfgang von Goethe in „Selige Sehnsucht“) Weite. Ein Gefühl dafür, dass Schmerz nicht entgegen dem Le- ben steht, sondern dazugehört. Dass er nicht immer aufgelöst werden muss, um aufhören zu dürfen. Dass man auch mit ihm weiterleben kann – nicht als Last, sondern als Teil der eigenen Tiefe. Versöhnung ist keine Entschei- dung, die man einmal trifft. Sie ist eher eine Haltung, die wächst, wenn wir aufhören, den Schmerz zu bekämpfen – und anfangen, In unserem Schmerz fühlen wir uns manchmal einsam – obwohl in ihm so viel Chance auf Nähe und Beziehung liegt. Bild: zhi wei yu auf Pixabay
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