Füssener Heimatzeitung Nr. 265
187 Füssener Heimatzeitung Nr. 265 vom Juli 2025 und setzt sich aus den Wörtern monos, „einzeln“ und „corde“, „Saite“ zusammen, was darauf schließen lässt, dass das Mono- chord früher vor allem mit einer Saite verbreitet war. Ursprünglich wurde das Monochord im antiken Griechenland verwendet, um phy- sikalische und musiktheoretische Zusammenhänge zu erklären, auch heute wird es teils noch im Physikunterricht verwendet. Es findet allerdings zunehmend auch in der Musiktherapie viel Ver- wendung. Hier wird es bei ver- schiedenen, meist psychischen Problemen eingesetzt, da es eine starke beruhigende und entspan- nende Wirkung hat. Die Geschichte des Monochords Wie bereits erwähnt, findet man die frühesten Erwähnungen des Monochords im antiken Griechen- land, wo es verwendet wurde, um physikalische Forschungen zu betreiben. Hier hat unter an- derem Pythagoras mit Hilfe des Monochords die Teilungsverhält- nisse von Saiten erforscht und seine Theorie der Konsonanz ent- wickelt. Das älteste Dokument mit einer Tonsystemdarstellung am Monochord ist „die Teilung des Kanons“ von Euklid. Der aus der Spätantike stammende rö- mische Gelehrte Boethius, der um 480 n. Chr. bis um 526 n. Chr. lebte, setzte sich in seinem Lehrbuch „De institutione musi- ca“, was „Einführung in die Mu- sik“ bedeutet, mit der Saitentei- lung des Monochords auseinan- der. Im heutigen Physikunterricht wird das Monochord zur Veran- schaulichung von akustischen Phänomenen, wie dem Zusam- menhang zwischen Tonhöhe und Saitenlänge und der Bildung von Obertönen durch harmonische Teilung verwendet. Auch der Zu- sammenhang zwischen Resonanz und Schwingung wird dadurch gezeigt. Die am Monochord er- lernten Prinzipien können imMu- sikunterricht auf andere Instru- mente übertragen und so bei- spielsweise für das Stimmen der Gitarre verwendet werden. Einseitige und mehrseitige Monochorde Einseitige Musikinstrumente, die im Prinzip dem Monochord ent- sprechen, finden sich in einigen Ländern, zum Beispiel in Japan und Vietnam. Das mit einem Bo- gen gestrichene Trumscheit ist ein historisches einsaitiges In- strument, das aus Europa stammt. In der Bluesmusik ver- wendet man den Diddley Bow, der ebenfalls eine Art Monochord ist, wobei die eine Saitemit einem kurzen Stock angeschlagen wird. Hier gab es in den 1950er-Jahren den US-amerikanischen Blues- musiker Willie Duncan Joe, der auch „One-String-Joe“ oder „One- String-Willie“ genannt wurde, weil er so einen Diddley Bow von Hier unterweist der Benediktinermönch Guido von Arezzo (links), der sich im Mittelalter viel mit dem Monochord beschäftigt hat, den Bischof Theobald von Arezzo (rechts) auf dem Monochord. 1 Fortsetzung auf Seite 189
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