Füssener Heimatzeitung Nr. 264

110 Füssener Heimatzeitung Nr. 264 vom Juni 2025 / II  Blick in die Königswohnung im Torbau von Neuschwanstein. Bild: privat krale Königtum, das Ludwig II. von Bayern in seiner Seele trug. Dass der König es geschafft hat, dieses Seelenbild in das Gebäude von Neuschwanstein zu „über- setzen”, ist wohl der Hauptgrund, warum Schloss Neuschwanstein das bekannteste Bauwerk der ganzen Welt ist. Die Menschen spüren, hier ist das innereWesen, der Archetyp des Königtums, ge- troffen. Diese Widmung des Schlosses akkumuliert sich im Thronsaal von Neuschwanstein. Die Wandgemälde zeigen heilige Könige und darüber Christus als Weltherrscher (Pantokrator). Die Darstellungen sind inspiriert von der im II. Weltkrieg zerstörten Al- lerheiligen-Hofkirche der Residenz in München. Es wird vermutet, dass der Hauptgrund, warum es keinen Thron gibt, dem geschul- det ist, dass König Ludwig be- fürchtete, eine unwürdige Person könnte sich auf den Thron setzen und damit dieses zentrale Symbol des heiligen Königtums be- schmutzen und entweihen. Der geheimnisvolle Turm Auf ein Detail sei noch hingewie- sen, das bei der Betrachtung der Fotos manchem verborgen bleibt. Nimmt man eine Lupe zur Hand und betrachtet eine Ansicht der Marienbrücke genauer, so wird das Fundament eines Turmes sichtbar, bestehend aus dicken Quadersteinen. Heimatforscher haben dazu verschiedene Theo- rien entwickelt. Einige sehen darin die Reste eines römischen Wachturms, von dem aus der Übergang entlang des Alpsees an einer Abzweigung der Via Clau- dia, kommend von der Siedlung am Tegelberg, bewacht wurde. Andere halten diesen Turm für mittelalterlich. Denn es ist über- liefert, dass es einen großen Turm bei den Schlössern der Ritter von Fortsetzung von Seite 109 Fortsetzung auf Seite 113

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