Füssener Heimatzeitung Nr. 263

190 Füssener Heimatzeitung Nr. 263 vom Juni 2025 Aufregung und Zorn Das Volk glaubt nicht an einen natürlichen Tod und vermutet ein Attentat von Erzherzog Albrecht von Österreich: Das „Füssener Blatt“ berichtet: „München: 11.03.: Gegen den Erzherzog Al- brecht herrscht unter der Masse der Bevölkerung die größte Er- bitterung. Man legt ihm zur Last, dass die Aufregung und der Zorn, gesprochen war, in einem zur rechten Seite des Hauptaltars der St. Kajetans Hofkirche zu er- bauenden Mausoleum in einem marmornen Sarkophage seine letzte Ruhestätte zu finden. Die Münchener „Neuesten Nachrich- ten“ berichten: „Die hinterlasse- nen Schriftstücke und Papiere Sr. Majestät wurden in pünktlicher Ordnung vorgefunden; darunter das Testament des Verblichenen, seinemHauptinhalte nach älteren Datums, doch mit mehrfachen Ergänzungen und Zusätzen bis zur letzten Reise Sr. Majestät nach Rom im Oktober vorigen Jahres. Alles in strikter vom Ge- setze gebotenen Form. Zwölf Briefe mit väterlichen Mahnungen und Ratschlägen Auch fand sich eine Reihe Briefe von des Königs eigener Hand an den Kronprinzen (jetzt König Lud- wig II.) vor, wie wir hören, zwölf an der Zahl, gleichfalls aus ver- schiedenen Zeitabschnitten da- tiert, und für den jetzt leider ein- getretenen Fall geschrieben. Sie enthalten zu einem großen Teile väterliche Mahnungen und Rat- schläge an den Thronerben. [...]“ Der Sarg ist bereits gefertigt Man ist bei Hofe etwas ratlos, wie man einen Sarg, den der Kö- nig im Testament gewünscht, be- schaffen soll. Herr Hofrat von Pfistermeister klärt die Situation, indem er mitteilt, dass Se. Ma- jestät schon vor mehreren Jahren einen derartigen Sarg habe an- fertigen lassen, der in einem Ge- mache der königlichen Residenz, zu dem er den Schlüssel habe, gegenüber dem Hofgarten auf- bewahrt sei. Dort findet sich denn auch der Sarg, schön und einfach aus einem Stück Untersberger in welche er den König Max bei der letzten Besprechung versetzt habe, Schuld trage am raschen und tödlichen Verlauf der Krank- heit desselben. Ferner, dass er den jungen König zu der Politik Österreichs verführen wolle.“ Das Testament Maximilians II. König Max II. hatte ein schon vom Jahre 1857 herrührendes Tes- tament hinterlassen, in welchem unter anderem der Wunsch aus- Fortsetzung von Seite 189  Ein Teil der Bevölkerung machte Albrecht von Österreich-Teschen für den Tod von Max II. verantwortlich, da er den König in so starke Aufregung versetzte. 1

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