Füssener Heimatzeitung Nr. 261
Füssener Heimatzeitung Nr. 261 vom April 2025 Das war 269 nach Christus. Wie hätte dieser Valentin wohl rea- giert, wenn er geahnt hätte, dass man ihn 1.700 Jahre später mit Rabattaktionen bei Schmuckläden und Candle-Light-Dinner-Deals ehren würde?Wahrscheinlich wür- de er sich im Grab umdrehen. Dank cleveremMarketing hat sich der Valentinstag global verbreitet. Vor allem im 20. Jahrhundert ka- men Süßwarenhersteller, Blumen- händler und Juweliere auf die Idee, den Tag zur ultimativen Feier von Konsum und Kitsch zu ma- chen. Die ursprüngliche Botschaft – Liebe, Hingabe und Opferbe- reitschaft – geriet dabei etwas in den Hintergrund. Das Spannende ist, dass der Valentinstag nicht überall auf der Welt gleich gefeiert wird. In Japan schenken Frauen Männern Schokolade (dieMänner sind später dran), in Finnland ist der „Tag der Freunde“ im Fokus, und in Brasilien wird erst im Juni gefeiert. Der Valentinstag sorgt in Deutschland für erhebliche zu- sätzliche Umsätze im Einzelhan- del. Laut dem Handelsverband Deutschland (HDE) belaufen sich diese auf etwa eineMilliarde Euro. Liebe ist eines der schönsten und mächtigsten Gefühle, das uns Menschen verbindet. Sie zeigt sich in den großen Momenten, aber vor allem in den kleinen, alltäglichen Gesten. Doch warum haben wir das Gefühl, dafür einen speziellen Tag wie den Valentins- tag zu brauchen? Ist es nicht selt- sam, der Liebe – etwas so Zeitlo- semundWunderbarem– ein fixes Datum im Kalender zuzuweisen? Liebe braucht keinen Kalender. Sie braucht keinen 14. Februar und keinen roten Kreis in der Jah- resplanung. Denn echte Zunei- gung lässt sich nicht in Rosen- sträußen, Pralinen oder romanti- schen Abendessen messen. Der Valentinstag vermittelt uns die Idee, dass Liebe an einem Tag besonders groß und sichtbar sein muss – durch Geschenke. Aber Liebe ist kein Wettbewerb. Sie lebt von Echtheit, von Imperfek- tion und davon, dass man sich jeden Tag Mühe gibt. Nicht, weil es ein Kalender sagt, sondern weil man es fühlt. Die wahre Kraft der Liebe liegt darin, dass sie je- den Moment zu etwas Besonde- rem machen kann. Sie zeigt sich in der Geduld, die wir füreinander aufbringen, in der Aufmerksam- Shoppen bis die Kreditkarte glüht, scheint der einzige Sinn vom Valentinstag zu sein. Bild: Pixabay Der Heilige Valentin hat heimlich verliebte Paare getraut, seine Geschichte kennen heute noch die wenigsten Romantiker. Bild: Wikipedia gemeinfrei Der Valentinstag ist in erster Linie eine Erfindung der Industrie, um mehr zu verkaufen. Kitsch ist dabei essentiell. Bild: Wikipedia gemeinfrei keit, die wir schenken, und in der Fähigkeit, auch in schwierigen Zeiten füreinander da zu sein. Sie braucht keinen Anlass, keine Ausrede und keinen festgelegten Tag. ■
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