Füssener Heimatzeitung Nr. 260

2 Füssener Heimatzeitung Nr. 260 vom März 2025 Drei Generationen „Klopfer” Der erste Klopfer kam aus Donauwörth Die Familie Klopfer lebte in drei Generationen in der Ziegelwies und heute in noch weiteren in Schwangau. Der erste Klopfer kam schon vor dem Ersten Welt- krieg aus Donauwörth. Damals fanden viele Handwerker Arbeit in den Hanfwerken. Eigentlich wollte Bernhard Klopfer ja Künst- ler werden, Maler. Und er hatte auch das Zeug dazu, eine feine  Der erste Klopfer kam schon vor dem Ersten Weltkrieg aus Donauwörth nach Füssen. Bild: Pixabay Fortsetzung auf Seite 5 seelische Begabung. Seine Bilder waren wunderschön. Aber seine Mutter sah darin nur eine brotlose Kunst und obwohl er sogar ein Stipendium für die Kunstakade- mie in München bekommen hätte und eine Tante dort hatte, die ihn unterstützt hätte und bei der er auch hätte wohnen können, verbot sie es ihm. Er sollte ein ordentliches Handwerk erlernen. Und so kam er als gelernter Ma- schinist nach Füssen. Er fand hier nicht nur eine Arbeitsstelle, er fand auch eine Frau und eine neue Heimat. Seine Theres oder Resi, wie er seine Frau liebevoll nannte, kam aus Salach. Er war elf Jahre älter als sie und 1879 in Donauwörth geboren. Geheiratet haben die beiden 1911. Von einer Granate erwischt Und dann kam der Erste Welt- krieg, wo er bei einem Gasangriff sämtliche Zähne verlor, sodass er zeitlebens nur noch „müm- meln” konnte, wie sein mittler- weile einundachtzigjähriger Enkel Roland erzählt. Ein Gebiss gab es damals natürlich noch nicht, da musste man einfach so zu- rechtkommen. Weitaus schlimmer für ihn war allerdings, dass eine Granate ihm die rechte Hand ab- gerissen hatte. Aus war es mit seiner Karriere als Künstler und Handwerker. Aber Bernhard Klop- fer ließ sich davon nicht beirren. Er wechselte einfach vom Rechts- zum Linkshänder und malte fort- an mit links die schönsten Bilder. Seine Schrift sieht man heute noch auf allen alten Urkunden, gestochen und wunderschön. Er war zudem ein Tüftler und Bastler. In den Hanfwerken konnte er na- türlich nicht mehr aufsteigen. Er blieb dort Heizer und Maschi- nenschmierer, was man eben mit einer Hand noch machen konnte. Dazu klemmte er sich eine ver- kürzte Kohlenschaufel unter den linken Arm, vom Ellenbogen bis zur Hand vor, und schippte die Kohlen in den Ofen. Er hatte auch zwei Prothesen, wobei er die eine, die sogenannte Sonntags- prothese, fast nie anlegte. Bei ihr konnte man schon den Dau- men raus- und reinschrauben Fortsetzung von Seite 1

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