Füssener Heimatzeitung Nr. 259

31 Füssener Heimatzeitung Nr. 259 vom Februar 2025 Der Ursprung emotionaler Beziehungen zu Dingen Als erstes fiel mir meine Oma ein, die ihre legendären Kuchen nur in diesem einen ganz be- stimmten Ofen backen konnte. Sie meinte immer, die anderen Öfen müsste man erst kennen- lernen und das dauere nun ein- mal. Sie würde diesen einen Ofen, den sie jetzt hatte, für kein Geld der Welt weggeben. Denn was nützte ihr ein neuer Hightech- Ofen, wenn die Kuchen, die darin gebacken wurden, nicht halb so gut schmeckten? Mir fallen viele Situationen ein, in denen ich Technik, die nicht richtig funktioniert hat, laut be- schimpft habe oder wie ich dro- hend den Finger auf den Aus- Knopf gelegt habe, um meinem PC deutlich zu machen, dass es mir jetzt wirklich ernst war: Wenn er nicht sofort das machte, was ich wollte, würde ich ihn ohne Gnade ausschalten. Eine etwas rabiate Methode, die aber in mei- nen Augen meistens funktioniert hat. Die unsichtbare Bindung: Funktionalität vs. Emotion Es ist faszinierend, wie sich zwi- schen uns und den Gegenstän- den, die wir täglich gebrauchen, eine starke Verbindung aufbauen kann. Diese Bindung hat wenig mit der reinen Funktionalität der Dinge zu tun, sondern vielmehr mit den Erlebnissen und Emo- tionen, die wir mit ihnen verbin- den. Manchmal entwickelt sich diese Beziehung fast unbemerkt, weil wir uns so sehr an ein be- stimmtes Gerät oder Möbelstück gewöhnt haben, dass es uns zur Selbstverständlichkeit wird. Aber dann gibt es auch Momente, in denen diese Gegenstände fast wie alte Freunde wirken – unauf- fällig, aber zuverlässig und immer an unserer Seite. Besondere Bindungen zu alten und abgenutzten Dingen Gerade bei älteren Geräten oder Möbeln tritt diese Verbindung besonders stark hervor. Manch- mal sind es gerade die Abnut- zungsspuren oder kleinen Ma- cken, die die Gegenstände für uns wertvoller machen. Der Krat- zer auf der Tischplatte, der sich im Laufe der Jahre durch jahre- lange Benutzung eingeschlichen hat, ist kein Makel mehr, sondern eine Erinnerung an unzählige Mahlzeiten, Gespräche und be- sondere Momente, die an diesem Tisch stattgefunden haben.  Jede Schramme in einem Esstisch kann eine Geschichte erzählen. Bild: Pixabay Fortsetzung auf Seite 32

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