Füssener Heimatzeitung Nr. 259

161 Füssener Heimatzeitung Nr. 259 vom Februar 2025 Jahre nach Chicago aus. Der dritte Sohn Johann Baptist (der Groß- vater der Autorin) machte eine Weberlehre. Als er arbeitslos wur- de, verdiente er sein Geld zu- nächst als Aushilfs-Postbote und dann in der Klosterbrauerei Ot- tobeuren als Disponent. Der vierte Sohn Josef Anton starb am Tag nach der Geburt. Die Tochter Ma- ria Johanna starb mit nur einem Monat. Dass die Armut und die Not das ihre zum frühen Tod von drei der fünf Kinder beigetragen haben, kann man sich ausmalen. Mit dem „der Herr hat's gegeben, der Herr hat’s genommen” muss- te man sich schweren Herzens abfinden, da es keine Möglichkeit gab, dem Elend zu entkommen. Herstellung des Weißlackers Doch zurück zumWeißlacker. Zur Herstellung erwärmt man pas- teurisierte Milch auf 28 bis 32°C, gibt ihr Milchsäurekulturen zu und legt sie dann während etwa 80 Minuten durch die Zugabe von Lab dick. Die „Dickete” schneidet man dann langsam und vorsichtig auf etwa Walnuss- größe. Danach lässt man den Bruch ruhen. Nach etwa 2-3 Stun- den schöpft man ihn in Formen auf Spanntischen aus, auf denen die Molke abtropfen kann. In den Formen wendet man den Käse mehrfach, sodass die Molke gleichmäßig ablaufen kann. Nach- dem der Käse seine endgültige Formund Festigkeit angenommen hat, nimmt man ihn aus der Form und taucht ihn 2 Tage in ein 18 bis 20 %iges Salzbad. Anschlie- ßend kommt der Käse für 3 bis 6 Wochen in den relativ warmen Reifungsraum. Während dieser Zeit schmiert man die Laibe an- fangs zweimal, später einmal in der Woche mit Salz. Schließlich reift der Weißlacker für weitere 9 bis 12 Monate bei 7 bis 8°C und einer Luftfeuchtigkeit vonmaximal 95 %. So steckt in jedemWeißla- cker ein Stück der Identität des Allgäus. Angefangen von denWei- den, hin zu den Kühen und der Milch, die sie geben. Genuss Weißlacker kann kalt und warm gegessen werden. Kalt wird er meistens in mundgerechteWürfel geschnitten und klassisch auf Brot oder zum Bier mit einer Bre- zel oder in einer Vinaigrette aus Essig, Öl und viel Zwiebeln als „Saurer Käs“ gegessen. Da der Genuss vonWeißlacker den Durst anregt, wird er auch als „Bierkä- se“ bezeichnet und aus diesem Grund auch in zahlreichen tradi- tionellen Gaststätten im Allgäu gerne serviert. Warm kann der Weißlacker auch als Füllung von Blätterteigtaschen mitgebacken oder gewürfelt in einer Bauern- pfanne mitgebraten werden. Er wird auch gerne gerieben unter die berühmten Allgäuer Kässpat- zen gemischt, wo er schmilzt und dem Gericht eine sehr aromati- sche Note verleiht. Erhitzt verliert der Weißlacker viel von seinem rustikalen und pikanten Ge- schmack und wird eher mild und duftig. Wohl bekomms! ■ Jubiläum: 150 Jahre Weißlacker Erfinder: Josef und Anton Kramer aus Wertach Aktueller Hauptproduzent: Schönegger Käsealm Info-Kasten

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