Füssener Heimatzeitung Nr. 259
159 Füssener Heimatzeitung Nr. 259 vom Februar 2025 Fortsetzung auf Seite 160 gehalt (nur 10%) war keine Sel- tenheit. Die geringe Haltbarkeit war ein zusätzliches Problem. Der Weißlacker wird geboren In diese Zeit fällt die Erfindung des Weißlackers! Es waren die angesehener Käser aus der Schu- le Karl Hirnbeins und ein überaus geschickter und angesehener Großhändler. 1867 gründete er mit seinem Bruder das Käsegroß- handelsunternehmen Kramer & Co in Wertach. Josef Zeller be- richtet in seiner Wertacher Chro- nik: „Die Gebrüder Kramer waren nicht nur selbst gute Käser, die in der Sennerei ihr Fach verstan- den, sondern auch solide, un- ternehmungslustige Milchkäufer und Käsehändler, die es von klei- nen Anfängen bald durch Fleiß, Tüchtigkeit und Sparsamkeit zu ansehnlichem Vermögen brach- ten.“ Sie bezogenMilch in weitem Umkreis; die vertraglichen Be- ziehungen bestanden oft jahr- zehntelang, was für die Seriosität des Unternehmens spricht! Als sich die Absatzprobleme - vor allem für den schlecht halt- baren „Rotschmierer“ - auswuch- sen, versuchten die Brüder Kra- mer auf der Basis des Limburgers die Herstellung einer neuen Kä- seart, die durch stärkere Salz- zugabe bei höherem Fettgehalt eine bessere Haltbarkeit als die üblichen Weichkäsesorten ga- rantieren sollte. Denn schließlich gab es nur Lagerräume, aber kei- ne Kühlschränke. Diese Versuche erwiesen sich als sehr erfolgreich. Wegen seiner hellen Farbe und der glänzenden Oberfläche war die Bezeichnung „Weißlacker“ ein Name, der sich auch für eine Patentierung anbot (1876). Der erste und einzige autochthone Käse des Allgäus war geboren und erfreute sich wegen seines charakteristischen Duftes und Geschmacks z.B. in Münchner Biergärten einer außerordentli- chen Beliebtheit. Gebrüder Josef (1821 – 1908) und Anton (1831 – 1914) Kramer aus Wertach, die 1874 einen erfolg- reichenWeg aus der Krise fanden. Man sollte sich unter den beiden Kramers keine kauzigen Urein- wohner vorstellen! Josef war ein
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