Füssener Heimatzeitung Nr. 258
269 Füssener Heimatzeitung Nr. 258 vom Januar 2025 Geboren in Frankfurt Kurt Geibel-Hellmeck wurde am 1. Juni 1911 in Frankfurt am Main geboren und starb am 31. März 1995 in Füssen, seiner langjäh- rigen Wahlheimat. Seine künst- lerische Begabung war ihm nicht in die Wiege gelegt worden – sein Vater war Metzgermeister. Allerdings war dieser aufgeschlos- sen für die schon früh erkennbare künstlerische Begabung des Soh- nes, hatte er doch selbst früher den Wunsch gehegt, Künstler zu werden, was ihm allerdings ver- wehrt geblieben war. So ermög- lichte ihm der Vater das Kunst- studium in Kopenhagen, Stock- holm, Rom, Neapel undMünchen. Zuvor hatte dieser allerdings da- rauf bestanden, dass der Sohn einen ordentlichen Brotberuf er- lernte – er absolvierte eine Lehre als Schildermaler. Auch die hier- bei erworbenen Fähigkeiten soll- ten ihm später nützlich sein, da viele seiner großformatigen Wandgemälde auch mit erklären- den Texten versehen wurden, die er in künstlerischer Schrift ge- staltete. Kurt Geibel – so lautete sein offizieller Name, legte sich später den Künstlernamen „Gei- bel-Hellmeck“ zu, um sich von einem anderen Maler mit dem Namen „Geibel“ abzugrenzen (Hellmeck lautete der Mädchen- name seiner Mutter). Über Umwege nach Füssen Wie hat es den weitgereisten Kurt Geibel-Hellmeck jedoch nach Füs- sen verschlagen? Eine glückliche Fügung wollte es wohl, dass er während des Krieges zu den Ge- birgsjägern nach Füssen kom- mandiert wurde und dort Vorge- setzte fand, die seine Kunst zu schätzen wussten und ihn bis zum Kriegsende unabkömmlich stellten - im Gegenzug musste er zahlreiche „höhere Tiere“ por- trätieren. Zwischenzeitlich hatte er jedoch in Füssen nicht nur die Berge lieben gelernt, sondern auch seine spätere, langjährige Lebensgefährtin Anni Blank ken- nengelernt und ließ sich nach dem Krieg dauerhaft in Füssen nieder. Bis zu seinem Tod 1995 sollte er in der ehemaligen Woh- nung des Bildhauers Anton Sturm in der Brunnengasse wohnen, die damit wieder zur Künstler- wohnung wurde. Breites künstlerisches Schaffen Bekannt wurde Kurt Geibel-Hell- meck zunächst als Landschafts- maler, auch zahlreiche künstle- risch hochwertige Stillleben fin- den sich in seinem Werk. Unter den Landschaften hatten es ihm vor allem die Berge angetan, die er in immer neuen Variationen auf die Leinwand brachte. Auch gehörte er dem „Alpenklub Berg- geist“ an, einer zunächst eher losen Verbindung von Bergbe- geisterten, 1900 in München ge- gründet, die dann später in eine Sektion des Deutschen Alpen- vereins umgewandelt wurde. In Füssen und Umgebung hat er sich vor allem durch seine groß- formatigen Wandgemälde an zahlreichen Füssener Hausfas- saden einen Namen gemacht. Er hatte der Stadt Füssen sogar den Vorschlag gemacht, die gesamte Füssener Geschichte in einem großformatigen Zyklus in der Stadt abzubilden – dieses hoch- interessante Projekt scheiterte jedoch an der ablehnenden Hal- tung der Stadt, die sich zu einer Finanzierung nicht in der Lage sah und auch keinerlei Anstren- gungen unternahm, sich um Al- ternativen zu bemühen. Mit offe- nen Armen wurde er jedoch in der Dolomitengemeinde Alleghe in Südtirol empfangen, wo er sich über die Jahre immer wieder auf- hielt und dort zahlreiche künst- lerische Projekte verwirklichte, u.a. im Rathaussaal ein gobelin- ähnliches Bild, das eine histori- sche Szene der Begegnung zwi- schen Zünftevertretern aus Al- leghe und einer Delegation der Republik Venedig im Jahr 1571 darstellt. Von der Gemeinde Al- leghe wurde ihm auch das Eh- renbürgerrecht verliehen. In Füs- sen hat er sich neben zahlreichen Wandgemälden beispielsweise auch noch durch die komplette Innenraumgestaltung der „Burg- stube“ im ehemaligen Hotel Moh- ren, heute Hotel „Ludwigs“, ver- ewigt. Historienmaler Damit ist ein weiterer Schwer- punkt des künstlerischen Schaf- fens von Kurt Geibel-Hellmeck angeschnitten: die Historienma- lerei. Er war ein wahrer Meister der Darstellung von historischen Begebenheiten, die er original- getreu in historischem Ambiente wiedergab. In Füssen und Um- gebung finden sich zahlreiche, meist noch gut erhaltene Werke, die im Folgenden vorgestellt wer- den. Ein wackerer Flößer auf dem Lech In unmittelbarer Nähe zum Lech und den alten Anlegeplätzen der Flößer ist am Haus Floßergasse 27 die markante Darstellung eines Flößers zu finden, der, mit der Flößerstange in der Hand, auf seinem Floß den Lech hinab- schifft. Eine Inschrift erinnert da- ran, dass in Füssen bis 1870 die Flößerei auf dem Lech betrieben Fortsetzung auf Seite 271
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