Füssener Heimatzeitung Nr. 258
215 Füssener Heimatzeitung Nr. 258 vom Januar 2025 Kraft wieder gewahr zu werden, es sind die kleinen Momente, die wir wieder für uns selbst nut- zen sollten. Wo bleibt die Seele? Dass wir uns selber immer mehr in der Technik auflösen und gar keine eigenen Reaktionen mehr haben, hat fatale Folgen. Es sind nur noch die Smileys auf dem Bildschirm, die unsere Emotionen ausdrücken. Doch was fühlen wir wirklich dabei? Unsere Seelen werden immer durchsichtiger und der Mensch verliert an eigener Farbe. Die Handschrift verliert sich Was zur Zeit von Paul Virilio noch nicht denkbar war, ist, dass die Technologie heute bereits bei den Kindern starken Einzug ge- halten hat. Als Kleinkind hat man kaum noch eigene Holzstifte in der Hand, da liegt ein Tablet und man zeichnet darauf herum und in der nächsten Sekunde wird das Bild wieder gelöscht und ver- schwindet für immer. Die Schulen unterrichten mit Bildschirmen und Smartphones und die Hand- schrift geht dabei verloren. Es ist eine Beschleunigung, die unauf- hörlich über uns herrscht. Tod von Paul Virilio In den letzten Lebensjahren hat sich Paul Virilio an die Atlantik- küste zurückgezogen. Er lebte ohne Fernseher und Auto, was sich heute ein Großteil der Ge- sellschaft nicht mehr vorstellen kann. Er verkörperte damit seine Forderung nach Entschleunigung in der rasenden Welt. Im stolzen Alter von 86 Jahren entrückte Paul Virilio in eine ruhigere Welt. ■ Fortsetzung von Seite 213 Paul Virilio Lehre : Die Dromologie Geboren : 4. Januar 1932 in Paris Gestorben : 10. September 2018 Haupttheorien : • Dromologie : Virilios Theorie der Beschleunigung, die die Geschichte der Menschheit aus der Perspektive der zunehmenden Geschwindigkeit analysiert. Er prägte Begriffe wie „digitale Diktatur“ und war ein Kritiker der schnellen technologischen Entwicklungen. • Tyrannei der Geschwindigkeit : Virilio argumentierte, dass die moderne Welt durch die Geschwindigkeit beherrscht wird, was zu einer Entfremdung und Desintegration der Gesellschaft führt. Er sah dies als eine Ursache für das Gefühl, dass alles zu schnell und unkontrolliert abläuft. • Revolutionen der Geschwindigkeit : Eine Reihe seiner Werke, darunter „Fahren, fahren, fahren“ und „Rasender Stillstand“, beschäftigen sich mit den sozialen und politischen Auswirkungen der Beschleunigung. • Technologie und Menschlichkeit : Trotz seiner Kritik war Virilio kein Technikfeind, sondern forderte eine kritische und bewusste Auseinandersetzung mit technologischen Fortschritten. Info-Kasten Können wir hier noch eine Seele finden? Bild: Pixabay
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