Füssener Heimatzeitung Nr. 257
71 Füssener Heimatzeitung Nr. 257 vom Dezember 2024 Zeit arbeitete außer Andreas Gei- senhof und seinem Sohn Georg Geisenhof auch noch Johann Gschwend mit. 1955 fing Franz Wiesinger in der Kübelhütte an. 1958 trat außerdem Josef Wörle in den Betrieb ein. Die Geisenhofs waren eine soziale, äußerst freundliche Familie, weswegen im Betrieb immer gerne Men- schen mitarbeiteten. Hauptab- nehmer zu dieser Zeit war die Firma Walde aus Innsbruck, die Seifenerzeuger waren. Georg Gei- senhof hatte es jedoch nicht ganz einfach. Der Absatz von Holzkü- beln wurde durch das Aufkom- men von Plastikkübeln immer schwieriger. Einen ganzen Betrieb damit am Leben zu erhalten, wur- de schier unmöglich und 1960 entschloss sich Georg Geisenhof dazu, betrieblich umzuschwen- ken. Ende der Faßbinderei Mutig machte er sich an die Ar- beit, einen Nahversorger in Vils aufzubauen und überzeugte nach zähen Verhandlungen die Han- delskette Spar davon, ihn als Partner zu nehmen. Er baute ei- nen erfolgreichen Betrieb auf, den wiederum sein Sohn Ernst Geisenhof in den 80er-Jahren übernehmen konnte. Dazu gibt es einen eigenen Bericht in der November-Ausgabe der Füssener Heimatzeitung Nr. 255. Durch sol- che Zeugnisse wie die der Faß- binderei können wir nochmals in vergangene Zeiten abtauchen und diese vor unserem inneren Auge wieder aufleben lassen. Plötzlich können wir uns Andreas Geisenhof vorstellen, wie er vor seiner Kübelhütte stand, wie er die langen Holzbretter bearbeitete oder wie er ins Holz ging. Plötzlich scheint das alles ganz nah, wie aus einer eigenen Erinnerung. Durch die lange Zeit, die zwischen seinem Leben und unserem liegt, schimmern vor allem die glückli- chen, die seligen, die von Freund- schaft getragenen Momente durch das Dickicht des Vergessen werdens. Das sind die Momente, die in Erinnerung bleiben, weil das die Momente sind, die zäh- len. Was wird in hundert Jahren an unsere Zeit erinnern und wel- che Zeitzeugnisse können wir hinterlassen? Welche Verände- rungen stehen bevor, von denen wir noch nichts wissen? Es lohnt sich auf jeden Fall Brücken zu erschaffen, die weit in die Ferne reichen, sodass immer wieder solche kleinen Zeitreisen gemacht werden können, die uns immer wieder in diese Seligkeit und die- ses Glück eintauchen lassen. ■ Das Rechnungsbuch von Andreas Geisenhof, das über die Geschäfte der Faßbinderei Auskunft gibt, ist inzwischen über hundert Jahre alt. Bild: privat Betrieb : Faßbinderei Geisenhof Betriebstätte : Hintergasse 2 (Wohnhaus und vermutlich Werkstatt), Bahnhofstraße 12 (zunächst als Kübelhütte, später als Wohnhaus, Werkstatt und Lagerhalle) in 6682 Vils Inhaber : Georg Geisenhof (1841-1891), dessen Sohn Andreas Geisenhof (1879-1963), wiederum dessen Sohn Georg Geisenhof (1923-2007) Aufgabe des Betriebs : 1960 Info-Kasten
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