Füssener Heimatzeitung Nr. 257
Füssener Heimatzeitung Nr. 257 vom Dezember 2024 die alten Landwirte immer recht hatten und der Satz „Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht“ das beste Ernährungs-Coaching ist, dasman sich wünschen kann? Auch die Erzählung, dass wir uns möglichst vielseitig ernähren soll- ten, wird von den meisten Men- schen etwas missinterpretiert: Wir sollten versuchen, unserem Darm möglichst viele verschie- dene Ballaststoffe undMineralien zukommen zu lassen, diese sind jedoch in unserem heimischen Obst und Gemüse zuhauf vor- handen. Wir müssen nur „lernen“, sie wieder aufzunehmen. Unser Körper freut sich, wenn er auf Lebensmittel trifft, die er schon seit Jahrzehnten, besser noch seit Jahrhunderten, kennt und die er besser aufnehmen und verstoffwechseln kann. Das be- deutet, dass die Birne im Hinter- hof deutlich näher am sogenann- ten Superfood dran ist als eine sehr seltene Liane aus dem ke- nianischen Dschungel. Leider ist es so, dass sich nicht nur die Sprache (alle sprechen immer weniger regionale Dialek- te), die Kleidung (Mode wird im- mer einheitlicher und uniformer) oder die Innenstädte (es gibt fast nur noch große Ketten, aber keine individuellen Läden mehr), son- dern auch die Darmfloren immer ähnlicher werden. Durch Globa- lisierung und den Einfluss von riesigen Megakonzernen spielt regionales Essen kaum noch eine Rolle, und so geht auch die Viel- falt in den Därmen verloren. Es setzt sich eine Art Einheits-Darm- flora durch, die nur sehr wenige verschiedene Arten an Bakterien beinhaltet, diese dafür in sehr großer Anzahl. Dabei ist die Di- versität in unserem Darm viel entscheidender als die Vielfalt auf unserem Essenstisch. Es scheint geradezu paradox zu sein, dass, je regionaler und einfacher wir uns ernähren, unsere Bakte- rienvielfalt umso mehr aufblüht. Aber nicht nur für uns, auch für unsere Umwelt ist es deutlich bes- ser, wenn wir möglichst regional und auch saisonal essen. Natürlich lässt sich ein neues Zauberpulver aus Übersee besser vermarkten als der olle Apfel ausOmasGarten. Hinzu kommt, dass Früchte auf ihrem langenWeg umden Globus viele Vitamine verlieren oder gar nicht erst entwickeln, da sie unreif geerntet werden und dann im Exotisch - ja, gut für Mensch und Umwelt eher weniger. Bild: Pixabay Schiffscontainer erst nachreifen. Es leuchtet ein, dass eine Frucht, die bis zur vollen Reife am Baum hängt, deutlich ausgewogener und nahrhafter ist als das nach- gereifte Produkt. Unser Trend sollte wieder zu regionalen, alten Obst- und Gemüsesorten gehen, die uns und unserer Umwelt vertraut sind. Darum sollten wir es, wie so oft, mit Goethe halten, der da- mals schon sagte: „Über Rosen lässt sich dichten, in Äpfel muss man beißen.“ Wir sollten weniger den Dichtungen der Industrie glau- ben als dem Apfel in unserem Garten. ■ Je mehr und vielfältiger die Bakterien in unserem Darm, umso gesünder sind wir. Bild: Wikipedia
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