Füssener Heimatzeitung Nr. 257

171 Füssener Heimatzeitung Nr. 257 vom Dezember 2024 auch die Bilder blieben die gleichen, da sie aus dem tiefsten Seelengrund der Menschheit gespeist waren. Immer ging es um Erlösung, Licht und Frieden. Aus dem tiefsten Weltengrund erfüllte dieses Geschehen ihre Seelen mit unsäglicher Helligkeit. Helle, tönende Seligkeit durchströmte die Seelen. Erhabene Gegenwart beglückte sie. Und ein tiefes Vertrauen und Erleben: Alles ist gut! „Licht der Welt” In diesem Moment konnten die Menschen damals und hellfühlende Menschen heute die Güte der Muttergöttin spüren, wie ein feiner Hauch aus dem Urgrund der Welt, der ihre Seele berührte. Und ob man es Muttergöttin oder Jesus nennt, ist dabei vollkommen unwesentlich. Die Bilder und Attribute sind vielfach die gleichen. In dieser tiefsten und dunkelsten Nacht gebar und gebiert immer wieder die Muttergöttin die Sonne, - und wird Jesus nicht auch „das Licht der Welt” genannt? Dieses heilige Mysterium feierten die Menschen ursprünglich an der Wintersonnenwende: die Geburt des Lichts (Sonne), die Geburt des Jesuskindleins (Licht der Welt). Und ist das nicht das Gleiche? Jede Zeit hatte in ihren mythischen, kulturellen und religiösen Bildern einen anderen Ausdruck, aber der Ursprung blieb immer der gleiche, das Erleben blieb immer das gleiche, das heilige Geschehen blieb immer das gleiche. Altes Brauchtum Unser Erleben vonWeihnachten, unser Brauchtum, besteht aus einer kaum zu entwirrenden Verschmelzung aus uralten heidnischen Elementen, deren Wurzeln bis in die Steinzeit zurückreichen, und christlichen Inhalten, deren Ursprung in der klassischen Antike und dem Vorderen Orient liegen, meint Wolf-Dieter Storl, der jedes Jahr in der Weihnachtszeit einen wunderbaren Vortrag in der Memminger Stadthalle hält. Er meint weiter, dass sich diese beiden Strömungen nicht säuberlich und analytisch trennen lassen. Sie sind verwoben und bilden eine syn- kretistische Einheit. Und er sieht es so, dass diese heid- nischen Wurzeln, wie auch die fast tausendfünfhundert- jährige christliche Tradition, genau den Reichtum unserer Kultur ausmachen. Beide sind unser kulturelles Erbe und bei beiden geht es vor allem um das offene Herz, mit dem wir diese wundersame Zeit schauen. ■ Fortsetzung von Seite 167  In diesem anthroposophischen Gemälde von Doris Harpers ist wieder das Weihnachtslicht im Mittelpunkt. Bild: Doris Harpers

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==