Füssener Heimatzeitung Nr. 255
170 Füssener Heimatzeitung Nr. 255 vom November 2024 Intensiv, spannungsgeladen, voll von Umwälzungen, Veränderungen, Kriegen und Konflikten. König Ludwig erlebte die höchsten Höhen und den tiefsten Abgrund. Er war umgeben von verehrten und loyalen Freunden, genauso wie von hinterhältigen Verrätern und Kleingeistern. Ludwig passte nicht in die Zeit und der Zeitgeist hat ihn bekämpft. Er erlebte unglaubliche Schmerzen und schonungslose Schicksale. In dieser chronologischen Serie konzentrieren wir uns auf das Schicksalsjahr 1864. Ein Jahr voller Wandlungen, voll von Liebe und Verehrung, voll von Schmerz, Trauer und Ungewissheit. Das Jahr 1864 änderte das Leben von Ludwig grundlegend. Das Schicksal formte in diesem Jahr viele Wege, welche das Leben des Märchenkönigs bis zu seinem Tod prägten. Der König ist gestorben Ein Bericht von Otto-Attila Piepenburg Serie: König Ludwig II. von Bayern Das Unausweichliche rückt näher München: Am heutigen 10. März 1864 bricht tiefes Weh über das schöne, glückliche Land Bayern. Die schmerzlichste Wunde aber schlägt dieser Tage einem Frau- enherzen, das mit wachsender Angst den Zeiger bis zu der Stun- de vorrücken sieht, in der das unaufhaltsame Schicksal sich er- füllen sollte, das dem Volke den König, den treu liebenden Gatten, den Gemahl, den kaum erwach- senen Söhnen ihren weisen und besorgten Vater jählings entreißt. Auch die Söhne waren bei dem sterbenden Vater Wie im vorherigen Teil berichtet, wird auch während der Nacht die Residenz von Menschenmassen belagert, welche mit pochendem Ludwigs Schicksalsjahr 1864 - Teil 8 Fortsetzung auf Seite 173 Herzen auf weitere Meldungen warten. Nach 1 Uhr nachts, so erzählt ein Augenzeuge in der „Allgemeinen Zeitung“: „[…] als ich nach Hause zurückkehrte, hatte sich die Menschenmenge vor der Residenz noch nicht ver- mindert, und heute in aller Frühe drängten sich, trotz des regneri- schen stürmischen Wetters, aus allen Stadtteilen neue Massen herbei, nicht von gewöhnlicher Neugier, sondern von innigster Teilnahme getrieben, das las man in allen Gesichtern, das entnahm man allen Äußerungen, die das Ohr im Fluge erhaschte. […]". Ka- binettssekretär Franz Pfistermeis- ter vermerkt in seinen Aufzeich- nungen: „Die beiden Prinzen wa- ren in der Nacht vom 9. auf 10. März mit der Königin wohl etliche Stunden anwesend am Sterbe- bette des Vaters. Vor zwei Uhr morgens wurden sie heimgeführt zum Schlafen, während die Kö- nigin länger blieb.“ Am frühen Morgen aber müssen die Ärzte konstatieren, dass die rasche Zu- nahme der Rotlaufgeschwulst das Schlimmste befürchten lasse. Ge- gen 3.00 Uhr sind sämtliche Prin- zen des königlichen Hauses wie- der um den hohen Kranken ver- sammelt. Dieser lässt nun die noch immer herumschwirrenden Tauben entfernen, da sie seine Ruhe stören. Um 4.00 Uhr wird der Atem des Königs, der bei völ- lig klarem Bewusstsein ist, kürzer und mühsamer. Die Ärzte halten es nun für ihre Pflicht, den Kran- ken von der Gefahr zu unterrich- ten, in der er sich befindet. Um 5.00 Uhr verkünden die in der
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