Füssener Heimatzeitung Nr. 255
153 Füssener Heimatzeitung Nr. 255 vom November 2024 Die Fraisenkrankheit Die Redewendung „Foi net in d’Froas“ ist ein alter bayerischer Ausspruch, dessen Bedeutung viele gar nicht mehr wissen. Dabei war die „Fraisen“ (mundartlich „Froas“) in fast jeder Familie eine gefürchtete Kinderkrankheit. Aber auch Frauen, die oft kurz hinter- einander Kinder bekommen ha- ben und dann die Kalzium- und Vitamin D-Reserven aufgebraucht oder gar nicht mehr vorhanden waren, litten an dieser längst ver- gessenen Krankheit. So war Fraisen die häufigste Todesursa- che bei unseren Ahninnen, die tatsächlich jedes Jahr schwanger wurden und deren Kindern, bei denen meist im Alter von drei Wochen Krampfanfälle auftraten, die zum frühen Tod des Säuglings führten. Je mehr Kinder die Frauen damals bekamen, um so mehr verringerten sich deren Kalk- und Vitaminreserven bis auf Null. Auch das heutige noch gebräuch- liche „Fruisen“ oder „Froisen“ (bedeutet Frieren und Zittern) kommt hiervon. „Froaselnde“ Säuglinge verdrehten die Augen und bekamen krampfhafte Zu- ckungen. Fraisen ist auch eine historische Bezeichnung für Epi- lepsie und Krampfanfälle, die nicht nur auf Mineralstoff- und Vitaminmangel zurückzuführen waren, sondern auch auf das Es- sen von gebackenem Brot aus dem häufig befallenen Getreide mit Mutterkorn. Die Verwendung von Fraisenstei- nen als kalkhaltiges Pulver Fraisensteine waren Tonplättchen von einem Wallfahrtsort mit ei- nem Gnadenbild der Heilstätte. Von diesen kleinen Tonplättchen, in der Größe etwa von zwei bis drei Zentimetern, schabten die Fortsetzung auf Seite 154 Auf die Fraisenhauben und Fraisenhemdchen wurden stets religiöse Symbole aufgemalt oder aufgestickt. 2
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