Füssener Heimatzeitung Nr. 254
124 Füssener Heimatzeitung Nr. 254 vom Oktober 2024 breitete sich von England aus- gehend eine neue Form der Gar- tenkunst mit intensiv gepflegten „Pleasuregrounds“ in Schloss- umfeldern in ganz Europa aus. Und was der Adel vormachte, fand schnell in der gehobenen Bürgerschaft seine Nachahmer. Wer etwas auf sich hielt, pflegte eine Rasenfläche vor seinem An- wesen, um so seinen gehobenen Stand zur Schau zu stellen. Dieser „Englische Rasen“ wurde zum Statussymbol in ganz Europa und wird auch heute bei uns mit gro- ßer Hingabe gepflegt. Frühe Kritiker des Mähens König Ludwig II. war schon in der Mitte des 19. Jahrhunderts ein visionärer Naturschützer. Ihmwar die Blumenvielfalt auf unseren wunderschönen Allgäuer Blumen- wiesen so wichtig, dass er kur- zerhand das Mähen in seinem geliebten Schwanseepark verbot. Auch der britische König Charles III. setzt sich schon seit Jahrzehn- ten für Blumenwiesen ein, obwohl in seinem Land der kurz geschnit- tene „Englische Rasen“ seit 200 Jahren Tradition hat. Charles ist Vordenker des ökologischen Gärt- nerns und verwendet keinen Kunstdünger, keine Pestizide und keine Unkrautvernichter. Seit über vierzig Jahren unterstützen ihn elf Gärtner bei seinemVorhaben, den heimischen Pflanzen wieder ihren Raum zurückzugeben. Fakt ist, dass die Artenvielfalt stark unter dem Mähen leidet und auf einem häufig gemähten Rasen- stück drei bis fünf Arten pro Qua- dratmeter vorkommen und bei einer unberührten Allgäuer Blüh- wiese fünfzig bis siebzig Arten auf den Quadratmeter kommen. Es geht hierbei um Blumen, Or- Diese Orchidee ist der Heil-Ziest. Bild: Dr. Elke Maria Deubzer Auch der Gilbweiderich ist auf den ungemähten Wiesen zu finden. Bild: Dr. Elke Maria Deubzer Fortsetzung von Seite 123 Fortsetzung auf Seite 126
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