Füssener Heimatzeitung Nr. 251

178 Füssener Heimatzeitung Nr. 251 vom Juli 2024 Die Besprechung seines neuen Buches im Museum der bayerischen Könige war fast bis auf den letzten Platz ausverkauft. Der Historiker Thomas Schuler führte das Publikum in eine der bedeutendsten Zeiten der Zivilisationsgeschichte. Was den Vortrag über Napoleons Spuren in Europa besonders spannend und le- bendig machte, war, dass er diesen Weg persönlich bereist hatte und dem Publikum so Bilder und Eindrücke aus erster Hand liefern konnte. War Napoleon wirklich ein kleiner Mann und welche Verbindung haben der Morgenmantel von Napoleon und König Charles III.? Diese und viele andere interessante Details wurden in diesem Vortrag beleuchtet. Auf den Spuren Napoleons durch Europa Ein Bericht von Janus Gaißmayer Serie: Buchvorstellungen Fortsetzung auf Seite 180 Das Schicksal Europas in der Hand eines Mannes Begonnen hat Thomas Schuler, laut der Süddeutschen Zeitung einer der führenden Napoleon- forscher Deutschlands, seinen Vortrag mit der Szene, als Napo- leon Bonaparte kurz nach seiner Machtergreifung 1800 mit seiner 40 000 Mann starken Armee den Schweizer Pass Sankt Bernhard überquerte, um in den Rücken seiner österreichischen Feinde zu gelangen. Bei dieser riskanten, aber letztlich erfolgreichen Aktion spielte sich eine historisch über- lieferte Szene ab, welche die Ge- schichte Europas entscheidend hätte verändern können. Während Napoleon, stark vermummt gegen die Kälte auf seinem Maultier, den schmalen Pass überquert, bricht plötzlich ein Stück vereistes Geröll unter den Hufen seines Lasttieres weg und Napoleon rutscht samt seines Maultiers dem Abgrund entgegen. Geistes- gegenwärtig springt der junge Schweizer Bergführer, Pierre Dor- saz, zwischen den Abgrund und das Maultier und bewahrt das Tier und seinen Reiter unter Auf- bringung seines gesamten Ge- wichtes davor, in die Tiefe zu stürzen. In diesem Moment hat der junge Schweizer nicht nur einMenschenleben bewahrt, son- dern den gesamten Verlauf der europäischen Geschichte verän- dert. Thomas Schuler wies in die- sem Zusammenhang darauf hin, dass er bei seiner Arbeit als His- toriker festgestellt hat, dass es oft Situationen wie diese sind, die den Lauf der Geschichte eines ganzen Kontinents lenken. Tho- mas Schuler bereiste selbst den Sankt Bernhard und ließ sich von einem Ortskundigen exakt die Stelle zeigen, an der das Lasttier Napoleons abgerutscht ist. Da- durch konnte er dem Publikum ein aktuelles Bild der Stelle in der eisigen Berglandschaft zei- gen. Der Kunstsinn des Kaisers Im weiteren Verlauf des Vortrags ging Thomas Schuler auf den Kunstsinn Napoleons ein, der in zahlreichen von ihm eroberten Städten dazu führte, dass die wertvollsten Kunstgegenstände abgebaut und in Frankreich wie- der aufgebaut wurden. So wurde der berühmte Markuslöwe von Venedig, nachdem dieser die Auf- merksamkeit Napoleons erweckt hatte, von französischen Soldaten eingepackt und nach Frankreich transportiert. Genauso erging es der Quadriga auf dem Branden- burger Tor. Allerdings blieben die- se Kunstschätze nicht lange im Besitz Frankreichs. Nach der Nie- derlage Napoleons wurden die Kunstschätze in prunkvollen Ze-

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