Füssener Heimatzeitung Nr. 251

Es gibt diese Orte: Orte, über denen der seidene Schleier der Vergessenheit hängt. Wie Efeu auf einer alten Ruine, wie im fahlen Sonnenlicht glitzernder Staub im Inneren einer mysteriösen, zerfallenen Hütte. Ein trüber Schimmer auf dem Anhänger eines uralten Schmuckstückes, das einem auf einem Flohmarkt eher zufällig in die Hände fällt, und da, wo der eine keinerlei Besonderheit wahrnimmt, weil er zu sehr von seinem alltäglichen Trott befangen ist, weil er durchtränkt ist von konsumistischer Oberflächlichkeit und er seine Augen vor allem Zauberhaften und Wesenhaften schon lange verschlossen hat - da nimmt ein anderer in einem Moment seelischer Offenheit einen mysteriösen Glanz wahr, befühlt das Schmuckstück, das ihn auf rätselhafte Weise zu berühren scheint, und fragt sich: „Was ist Deine Geschichte? Deine alte Geschichte, deine wahrhafte Geschichte. Zu gerne wüsste ich sie, diese Geschichte, die ich in Dir spüre, diese lang vergessene Geschichte, die sich niemand mehr erzählt.” Der Doser-Wasserfall ist solch ein Ort. Er ist solch ein Schmuckstück mit trübem Glanz, hinter dem ein Mythos verborgen liegt - und tannengrüner Samt bemoost sein Felskleid wie ein weich-warmer Schleier traumhafter Vergessenheit. Das Geheimnis des Doser-Wasserfalls Ein Bericht von Naïma Wolf Serie: Außerfern

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