Füssener Heimatzeitung Nr. 247

3 Füssener Heimatzeitung Nr. 247 vom April 2024 Kinodynastie - Familie Mayr Füssen hatte insgesamt vier Kinos, was an sich schon ungewöhnlich viel war. Und es hatte eine Kino- dynastie, die nächstes Jahr ihr hundertjähriges Bestehen hat. Viele Jahrzehnte bestimmte eine Familie, die eigentlich aus Thal- hofen bei Marktoberdorf stamm- te, die Kinolandschaft Füssens. Auf dem Grabstein von Hans Mayr, dem Kinopionier schlecht- hin, steht „Kinobesitzer”. Ange- fangen hat es in Füssen mit zwei Kinos. Wilhelm Nebel hatte vor den Toren der Innenstadt 1936 das heutige „Alpenfilmtheater” erbaut, das, laut historischen Filmadressbüchern, aber wohl erst am 8. Juli 1939 nach Fertig- stellung eröffnet werden konnte. Das Kino war damals noch ganz einfach und nur mit Holzstühlen ausgestattet, hatte aber schon 450 Sitzplätze. Parallel zu ihm betrieb Hans Mayr schon ab 1932 die Kammerlichtspiele, die man liebevoll abgekürzt „Kali” nannte, in der Reichenstraße imGebäude des heutigen Woolworth, an des- sen Stelle damals noch das beste und schönste Hotel der Stadt stand, die „Alte Post”. Dieses herrschaftliche Hotel hätte nie- mals abgerissen werden dürfen. Noch heute schwärmen die Men- schen davon, die sich daran er- innern. Von der Rückseite kam man in den Kinosaal, der im ers- ten Stock lag. Familie Mayr mit den Eltern Hans und Marie und den beiden Töchtern Anni und Lore wohnte ab 1933 noch ein Stockwerk darüber, im zweiten Stock. Über dreißig Jahre lang war die „Alte Post” ihre Heimat, bis das Hotel 1968 abgerissen wurde und dem heutigen Wool- worth weichen musste. Danach zogen die Eltern bis zu ihrem Le- bensende in die Von-Freyberg- Straße. „Mächler” und Kinobesitzer aus Marktoberdorf Hans Mayr wurde 1900 in Thal- hofen an der Wertach geboren. Heute gehört es zuMarktoberdorf. Er war ein Mächler, der schon mit zweiundzwanzig Jahren eine Mechanikerwerkstatt betrieb. Ei- gentlich hatte er von Geburt an eine Gehbehinderung, weswegen er hinkte und an einem Fuß or- thopädisches Schuhwerk tragen musste, was ihn aber nicht davon abhielt, sein Leben lang in Be- wegung zu bleiben. Er war von Statur eher klein und war, laut Hubert Schweiger, von seinem Wesen her einfach gemütlich. Ihn brachte so schnell nichts aus der Ruhe. Darüber hinaus hatte er aber ein ganz besonders ausge- fallenes Hobby, wie sein Enkel Dr. Hans Bloching erzählt. Er bas- telte in Marktoberdorf einen Ki- nematographen und lud zu Film- vorführungen ein. 1925 gab es schon berühmte Filme, wie „Gold- rausch” mit Charlie Chaplin, mit der überaus witzigen Szene, wo er seinen eigenen Schuh verspeist Fortsetzung auf Seite 5  Hans Mayr legte den Grundstein für die Füssener und Allgäuer Kinodynastie. Ganze vier Kinos gehörten ihm in Füssen. Bild: privat Fortsetzung von Seite 1

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