Füssener Heimatzeitung Nr. 247

165 Füssener Heimatzeitung Nr. 247 vom April 2024 Der Gründergeist - Christian Herbart Der Ort Steinach im Landkreis Sonneberg gehörte schon früh zum Einzugsbereich der Sonne- berger Holzspielwarenfertigung im östlichen Thüringer Wald. Ähn- lich wie im Erzgebirge wurden aus heimischemHolz kleine Kost- barkeiten geschaffen. Schon im frühen 16. Jahrhundert förderten interessierte Nürnberger Kaufleu- te in Sonneberg die Fertigung einfacher und robuster Holzspiel- sachen, welche sie auf ihren Han- delsreisen zur Leipziger Messe mitnehmen und im Raum Nürn- berg/Fürth absetzen konnten. Teilweise arbeiteten die Wald- bauern zuhause in ihren ärmli- chen Hütten und verkauften das von Hand Geschaffene an Hau- sierer, die es dann mit nach Son- neberg nahmen. Spezialisierte Handwerker fertigten die Holz- rohlinge und in Kinder- und Heim- arbeit wurden Zubehörteile und Spanschachteln hergestellt. Diese Spielwaren konnten in hoher Qua- lität und rasch hergestellt werden. Christian Herbart stellte in der Räumstraße 4 in Steinach in Thü- ringen Kubusspiele, Pyramiden, Dominospiele und Lottospiele her. Bald entwickelte sich der 1888 von Christian Herbart ge- gründete Betrieb zur größten Spielzeug-Spezialfabrik in Stein- ach/Thüringen. Christian Herbart vergrößerte den Betrieb und bau- te im Jahr 1922 einen neuen Be- trieb in der Räumstraße 10 auf, den sein Sohn Max übernahm und weiterführte. Beste Maschi- nen verbanden die Handarbeit mit hoher Qualität. Das Spielzeug wurde bemalt oder mit Papier beklebt und dann lackiert. Ins- besondere waren Holzwürfel mit Märchenbildern sehr beliebt. Es gab aber auch Gesellschaftsspie- le oder Trommeln aus Holz und Blech. Ein weiterer Sohn von Christian Herbart - Titus Herbart - blieb in der Räumstraße 4, über- nahm den Betrieb seines Vaters und führte ihn solide weiter. Mit einer Dampfmaschine war es möglich, große Maschinen zu be- treiben. Nach der Einführung der Elektrizität in Steinach um 1924 kamen noch weitere Maschinen imBetrieb dazu. Mit einemGatter wurde das Langholz für den Ei- genbedarf in den benötigten Holzstärken geschnitten und wei- terverarbeitet. Fortsetzung auf Seite 168  Steinach in Thüringen im Jahr 1931. Bild: Jens Murawa

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