Füssener Heimatzeitung Nr. 241

106 Füssener Heimatzeitung Nr. 241 vom November 2023 / II ser auf die Gräber gesprengt, werden Kerzen angezündet und je nach Kulturkreis Speisen darauf gestellt. Auch das geht weit zurück. Wolf-Dieter Storl schreibt in seinen vielen lesenswerten Büchern immer wieder über die mythologischen Hintergründe unserer Feste. So schreibt er auch über Samhain: „Diese Totengeister sind hungrig, rütteln an den Türen und Fensterläden, man hört sie knarren in den kahlen Ästen oder im gruseligen Schrei eines Vogels oder Wildtieres. Im Altenglischen nannte man das Fest Halloween, ein Wort, das „Heiliger Abend” (halig = heilig; aefen = Abend) bedeutet. Es ist der Anfang der dunklen Zeit, aus der dann das Licht des neuen Jahres geboren wird.” In diesen Geisternächten werden die Menschen wiederum von dem Geschehen berührt, beschreibt er weiter. Sie reinigen den Herd, damit die verstorbenen Verwandten und Vorfahren sie besuchen können. Sie stellen Äpfel, Haselnüsse, Hanfsamenbrei und andere Totenspeisen bereit und zünden Lichter an, denn die Toten erweisen sich dankbar für jede Zuwendung. „Wenn einer fünfundsiebzig Jahre alt ist, kann es nicht fehlen, daß er mitunter an den Tod denke. Mich läßt dieser Gedanke in völliger Ruhe, denn ich habe die feste Überzeugung, daß unser Geist ein Wesen ist ganz unzerstörbarer Natur, es ist ein fortwirkendes von Ewigkeit zu Ewigkeit, es ist der Sonne ähnlich, die bloß unsern irdischen Augen unterzugehen scheint, die aber eigentlich nie untergeht, sondern unaufhörlich fortleuchtet.” (Johann Wolfgang von Goethe) n Fortsetzung von Seite 103  Kunstwerk aus feinen Silberfäden auf dem Alten Friedhof. Bild: Füssener Heimatzeitung

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==