Füssener Heimatzeitung Nr. 220

135 Füssener Heimatzeitung Nr. 220 vom Juni 2022 / I Fortsetzung auf Seite 136  Hiltbolt von Schwangau mit zwei tanzenden Frauen und einem Musiker. Bild: Füssener Heimatzeitung bensdaten von Hiltbolt von Schwangau. Referent Klaus Wolf setzte seine Spurensuche des- halb beim Codex Manesse und der Weingartner Liederhandschrift an. In beiden Sammlungen ist Hiltbolt neben Hartmann von Aue, Walther von der Vogelweide und Wolfram von Eschenbach zu fin- den. Gewissermaßen die „Crème de la Crème” der deutschen Min- nesänger. Beide dieser reich ver- zierten und kostbaren Bücher sind jedoch mehr als hundert Jahre nach dem Tod der großen Minnesänger entstanden. Das Mittelhochdeutsche ist eine hö- fische Dichtersprache, um sich auf den Höfen verständigen zu können. Die wunderschönen Bil- der der Handschriften sind ein- malige künstlerische Zeugnisse, obwohl sie wenig dazu beitragen können, die Persönlichkeit der Minnesäger zu fassen, da die Bil- der nach den Texten fiktiv ent- worfen wurden. Einer dieser Dich- ter ist „Herr Neidhart“, der bereits im 13. Jahrhundert eine Bayern- hymne geschrieben hat: „Geprie- sen bist du Land der Bayern.“ Hier wird erstmals persönliche Emotion spürbar. Ein bedeutender Dichter und Sänger Auch Hiltbolt von Schwangau fand eine Berücksichtigung so- wohl im CodexManesse, als auch in der Weingartner Liederhand- schrift, was sehr für die Bedeu- tung Hiltbolts spricht. Er ist mit einem Topfhelm und einem Ket- tenhemd bekleidet neben zwei blonden Frauen dargestellt, die er an der Hand nimmt. Neben den Dreien ist ein Fidelspieler zu erkennen. Dieses Bild nimmt Bezug auf einen Liedtext, in dem Grafen von Tirol und waren Le- hensmänner der Welfen. Da man das einfache Volk nicht für fähig hielt, edle Gefühlsregungen zu zeigen, sollten die Menschen durch die verehrende Haltung ge- genüber Frauen imMinnegesang ein Vorbild erhalten. Manesse und Weingartner Liederhandschrift Leider gibt es keine genauen Le-

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