Füssener Heimatzeitung Nr. 214

2 Füssener Heimatzeitung Nr. 214 vom Januar 2022 telbarer Nähe explodierte eine Granate, vor der er sich in letzter Sekunde in Sicherheit bringen konnte. Als er dachte, er hätte die Gefahr überstanden, schleu- derte ein Holzprügel mit hoher Geschwindigkeit auf ihn zu und schlug ihm genau die Vorderzäh- ne aus. Er war sofort ohnmächtig. Als er nach etwa einer halben Stunde wieder zu sich kam, sah er eine große Blutlache imSchnee und er spürte, dass seine Zähne weg waren. Glücklicherweise kam er mit dem Leben davon und er wurde in ein Krankenhaus ge- bracht, wo er fünf Stunden lang warten musste, bis er behandelt wurde. In diesen fünf Stunden wurde ihm intensiv klar, wie grau- sam der Krieg war. Ein Verletzter nach dem anderen wurde in das Krankenhaus gebracht und ohne Narkose operiert, der Anblick der vor Schmerz brüllenden Männer grub sich in seine Seele ein und er wusste, dass er es imVergleich zu den Verletzungen seiner Kriegskameraden, mit einer Klei- nigkeit zu tun hatte, mit der er gut leben konnte, zumal die da- malige Zahnmedizin schon so weit war, die Zahnlücken durch einen Zahnersatz zu korrigieren. Aura von Macht Karl Feigel war der Sohn des ers- ten Füssener Nachkriegsbürger- meisters Eduard Feigel, der für seinenMut alsWiderstandskämp- fer im Dritten Reich und seine etablierte Steuerkanzlei weit über die Füssener Stadtgrenzen hinaus bekannt war. Er unterstützte die vom Forggensee betroffenen Landwirte aus Forggen und Deu- tenhausen in ihrem Kampf gegen die BayerischenWasserkraftwerke und sorgte bei aller Ausweglo- sigkeit der Situation dafür, dass die verängstigten Bauern wenigs- tens weitaus höhere Entschädi- gungen für ihre verloren gegan- genen Anwesen bekommen ha- ben, als wenn sie die Verhand- lungen selber geführt hätten. Zu ihm schauten die Füssener auf, da er eine beeindruckende und Respekt einflößende Persönlich- In letzter Sekunde Dabei war er gerade erst aus der Gefangenschaft zurückgekehrt, knapp dem Tode entronnen. Er war in den Wald geschickt wor- den, um Holz zu sammeln, als das Unglück geschah. In unmit- Fortsetzung von Seite 1  Hochzeitsfoto der Eltern von Karl Feigel. Eduard und Franziska Feigel, geb. Keck aus dem Jahr 1921. Sie heirateten im Heimatort von Franziska, dem kleinen Ort Aufhofen in der Nähe von Biberach. Bild: privat

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