Füssener Heimatzeitung Nr. 212

144 Füssener Heimatzeitung Nr. 212 vom November 2021 / II einmal vorwarf, „ihn nicht aus der Ehe mit König Max empfangen zu haben“. Zeitlebens versuchte es Ludwig zu verdrängen, durch seine Mutter ein „halber Preuße“ zu sein, also jener Verwandtschaft anzugehören, von der er sich zeitlebens gedemütigt fühlte und der er den Verlust der Eigenständigkeit Bayerns verdanken sollte. Die zweite Demütigung des Königs – Zum Bruderkrieg 1866 verdammt! Bereits zwei Jahre nach seiner Thronbesteigung er- folgte die zweite Demütigung, als Ludwig II. 1866 in den von Preußen angezettelten Deutschen Bru- derkrieg mit Österreich hineingezogen wurde, den er vehement ablehnte. Schon Ende 1862 hatte sich Bismarck in seiner schaurigen „Blut-und-Eisen- Rede“ vor der Budgetkommission des preußischen Abgeordnetenhauses für einen preußisch domi- nierten kleindeutschen Nationalstaat ausgespro- chen: „Nicht durch Reden oder Majoritätsbeschlüs- se“ so betonte er, „werden die großen Fragen der Zeit entschieden, sondern durch Eisen und Blut“, also mit Waffengewalt und Kriegsopfern, die in Kauf genommen werden müssten. 1866 wurde Preußens „Blut- und Eisen-Ideologie“ im Krieg gegen Österreich traurige Realität. Sich in dieser Auseinandersetzung auf PreußensSeite zu schlagen, ein solches ehrloses Ansinnen kam für Ludwig II. nicht in Frage, war er als Österreichs Bündnispartner doch verpflichtet, auf dessen Seite zu kämpfen, weshalb er auch nicht neutral bleiben konnte, auch wenn dies dem friedliebenden König am liebsten gewesen wäre, war er doch überzeugt: „Das rauhe Kriegshandwerk, lange geübt, verwildert die Sitten der Menschen, macht sie unfähig, große, erhabene Fortsetzung von Seite 143 p Bismarck treibt die deutschen Staaten in den Norddeutschen Bund. Bild: Alfons Schweiggert

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