Füssener Heimatzeitung Nr. 212
110 Füssener Heimatzeitung Nr. 212 vom November 2021 / II tertrieb das und dieser Vorschlag kam nicht vor den Landtag. Die Frage für alle Beteiligten, wieso? Bismarck hatte den Eindruck, dass die Minister, ‘weil sie sich sonst nicht mehr hätten halten können, den König ‚schlachten' wollten’. Lutz (Kabinettsvorsit- zender und maßgeblich an der Entmachtung König Ludwigs be- teiligt), heute würde man Minis- terpräsident zu ihm sagen, ist befördert worden in den Stand des erblichen Adels. Alle sind sie hinaufgeadelt worden durch Ludwig II. Und dann sind sie ihm in den Rücken gefallen.” Für Heindl ein Verbrechen und Hoch- verrat, an dem alle beteiligt wa- ren. hörte Heindl noch den Spruch der alten Generation, den sich die Menschen kurz nach Ludwigs Tod und der Amtsübernahme durch den Prinzregenten Luitpold zuraunten. „Prinzregent Luitpold, leg di nieder und krepier, König Ludwig, steh auf und regier!“ An einen Selbstmord oder Unfalltod glaubt Heindl natürlich nicht. Heindl glaubt an ein Mordkom- plott der bayerischen Regierung, die des Königs Entmündigung betrieben hatte, mit dem Prinz- regenten Luitpold imHintergrund. Heindl will das Andenken des Königs vor historischen Verfäl- schungen bewahren. Grandiose Inszenierung Die wohl schönste, feierlichste und überwältigendste Inszenie- rung einer Denkmalsenthüllung fand 1982 in Linderhof statt. Dort ließ Heindl seiner Fantasie freien Lauf. Er wollte keine Feier, wie es sie überall gab, keine profane Feier, sondern etwas ganz Be- sonderes, etwas Königliches. In einer großen Prozession sollte der Kopf des Königs von Ettal bis nach Linderhof gebracht werden und sich diesem vom König so geliebten Ort nähern. Dafür hatte er eigens das schönste Königs- wetter bestellt, das die Feier be- gleitete. Ein Vierergespann aus edlen Haflingern barg das mit feinem dunkelrotem Samt ver- hüllte Königshaupt wie in einer Sänfte. Dieses Gefährt erregte großes Aufsehen, alles war ver- ziert im goldenen Rokokostil auf grünem Grund, passend zu Lin- derhof. Alles war aufs Feinste de- koriert. Hinter der Kutsche kam ein nicht enden wollender Zug an Trachtlern, Königstreuen, Ver- einsabordnungen, Fahnengrup- pen, Gebirgsschützen und viele Hintergründe des Staatskomplotts Die Hintergründe dieses Staats- komplotts sind für Heindl ein- deutig, es ging den einzelnen um Macht und Prestige und da war ihnen der König im Wege. Außerdem hatten sie Angst um ihre Stellung und Prinzregent Luit- pold hatte Angst um das Erbe für seine Söhne, das Ludwig sei- ner Meinung nach verschleuderte. Alles in den Augen Heindls schä- bige Gründe und schändlichster Hochverrat, auf den eigentlich der Tod stand. Sie wussten alle, wenn sie nicht durchkämen, wür- den sie höchstwahrscheinlich er- schossen werden. Darum diese Hast und Eile und danach die Vertuschung. In seiner Kindheit p Heindl in der Walhalla bei einer Kranzniederlegung vor der Büs- te von Richard Wagner. Bild: privat Fortsetzung von Seite 109
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