Füssener Heimatzeitung Nr. 204

3 Füssener Heimatzeitung Nr. 204 vom Mai 2021 Mittelsmann im Auftrag von Papst Pius XII. Während des ZweitenWeltkrieges und der Besetzung von Italien durch die Nationalsozialisten fun- giert der Schwangauer Ordens- general der Salvatorianer im Auf- trag von Papst Pius XII. als Mit- telsmann zwischen NS-Komman- deuren und demVatikan und ret- tete auf diese Weise viele Ge- fangene. Auch versteckte er auf seinem Dachboden über hundert Juden und Verfolgte und brachte somit auch sich selbst in Lebens- gefahr. Mehr als fünfzig Jahre wirkte er in Rom und wird von den Römern liebevoll “Engel von Rom” genannt, doch geboren ist er in Schwangau. Darum sollten auch wir ihn nicht vergessen! Die Gestapo respektiert Pfeiffer Hager, fast schmächtig, mit kan- tigem Gesicht sitzt er an seinem Schreibtisch. Das Arbeitszimmer ist nüchtern eingerichtet, wenige stillose Möbel und ein Kruzifix. Beherrscht wird der Raum durch einen äußerst wuchtigen Schrank mit zwei speziellen Türen im Un- terbau - er ist ein Geheimgang für die vielen Menschen, Juden, Antifaschisten, Mitglieder der Re- sistenza und Kommunisten, die Pfeiffer auf dem Dachboden sei- nes Mutterhauses vor der Gesta- po versteckt hielt. ZumTeil hielten sich dort bis zu hundert Verfolgte auf. Auf die Frage, ob er nicht Angst habe, dass einer der Ver- steckten einmal während eines Besuchs der Besatzer aus den Schranktüren treten könnte, meint Pfeiffer gelassen: “Die Deutschen wissen ohnehin, dass ich das Haus voller Deserteure habe, voll Kommunisten, Juden, Royalisten, aber den Klosterfrie- den respektieren sie.” Und Pater Pfeiffer respektieren sie insbe- sondere. Während der neunmo- natigen Besatzungszeit von Rom durch die Deutschen stand er praktisch immer zwischen den Fronten, vermittelte zwischen dem Vatikan und der deutschen Führungsriege und rettete dabei unzählige Leben, die imaginäre “Pfeiffers Liste”, von der man al- lerdings nur wenige Notizen hat, da Pfeiffer umsichtig genug war, nur Bruchstücke, kaum Namen und wesentliche Details zu ver- merken, um keine Beweise zu liefern. Diese Liste existiert darum vor allem in den Erinnerungen Fortsetzung auf Seite 4 Fortsetzung von Seite 1  An diesem Schreibtisch empfing er sowohl die Gestapo als auch Jörg Modlmayr. Im Unterbau des Schrankes gab es eine Geheimtüre für die versteckten Juden im Dachboden. Bild: Salvatorianer

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