Füssener Heimatzeitung Nr. 203

47 Füssener Heimatzeitung Nr. 203 vom April 2021 Fortsetzung von Seite 45 beginn) brachte abends einWehr- machtskurier die ersten Stellungs- befehle in dieses Büro zum Bür- germeister Rudolf Weiss. Dieser fuhr diese Dokumente mit dem Motorrad aus und musste die Betroffenen aus dem Schlaf we- cken, um ihnen die unerfreuliche Mitteilung zu überbringen. Alle aus dem Weidach waren bei der Heuernte dabei Zu dem Anwesen Weidach 1 ge- hörte viel landwirtschaftliche Flä- che mit Feldern, Stall und Vieh. Die anderen Häuser desWeidachs waren in der Mehrzahl von Ar- beitern bewohnt und die Bewoh- ner halfen alle zusammen, wenn es zur Heuernte kam. Es war ganz klar, jeder Nachbar ist wie die eigene Familie. Nie wurde einer vergessen oder war lange alleine an einemOrt, der Zusammenhalt war enorm. Es wurden immer viele Hände gebraucht, da es da- mals noch keine Maschinenfahr- zeuge gab und die Flächen und Wiesen waren riesengroß. Selbst die Kinder waren alle barfuß tat- kräftig bei der Feldarbeit dabei. Hier wurde in der Sonne bei der Arbeit geratscht und gelacht und dabei die aktuellen Geschichten aus Lechbruck weitergetragen. Jeder, der nicht dabei war, hatte an diesen Tagen ein Stück Dorf- geschichte verpasst. Es war eine Todsünde, Linden zu fällen Wie so oft auf den Dörfern, gab es auch immer eine Lausbuben- bande, die allerhand angestellt hat und die bei allen bekannt war, doch selbst diese kamfleißig zur Heuernte. Die Buben fehlten oft und wurden dann in den duf- tenden Lindenkronen gefunden. Diese Linden haben durch ihre großen Laubkronen einen wohl- wollenden Schatten gespendet und so manche Mittagsruhe wur- de schlafend an diesen Orten verbracht. Für die damaligen Be- wohner hatten diese Linden einen enormen Wert und sie bezeich- neten es als Todsünde am Wei- dach und der Natur, diese Linden zu fällen. Nie wären die Bewohner darauf gekommen, diese Linden zu fällen und doch, durch die viele vergangene Zeit, ist von die- sen heiligen Bäumen nichts mehr zu sehen. ■  Die Großfamilie Weiss des Eisenwarengeschäfts im ehemaligen Weidach 1, sitzend: Anna Weiss, Oskar Weiss, Franz Weiss, stehend v.l.n.r.: Michael Weiss, Franz Weiss jun., Franziska Weiss, Josef Weiss, Rudolf Weiss (ehemaliger Bürgermeister), Josefine Weiss und Anna Weiss. Bild: Privat

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==