Füssener Heimatzeitung Nr. 202

193 Füssener Heimatzeitung Nr. 202 vom März 2021 Fortsetzung auf Seite 194 Station 5: Hilfe annehmen, Hilfe geben, nach Hilfe fragen Nachdem Jesus sich von seiner Mutter verabschiedet hat und weiter den Berg Golgota hinauf- steigt, wo er gekreuzigt werden soll, kommt ihm ein Mann zu Hil- fe, der mit und für ihn das Kreuz trägt und Jesus nimmt diese Hilfe dankend an. Wir alle machen schwierige Erfahrungen in unse- rem Leben und einige von uns verschließen sich irgendwann so sehr, dass sie alles nur noch mit sich selbst ausmachen. Der Cha- rakter formt sich zum Macher, Sarkastiker, Pessimisten, Maso- chisten, Ironiker und „Steppen- wolf”. Jemand, der keine Hilfe annehmen kann oder danach fra- gen kann, der ist ein einsames Wesen, der an seinem inneren Wert zweifelt. Nach Hilfe zu fragen oder Hilfe anzunehmen, bedeutet auch immer, sich verletzlich zu machen und in Kauf zu nehmen, dass der andere nicht helfen will, kann oder einen im Stich lässt. Allein diese Angst führt dazu, dass so mancher gar nicht mehr frägt, auch wenn er nicht weiß wie die Antwort ausfällt, der po- tentielle Schmerz, abgewiesen zu werden, ist zu groß und die Angst überwiegt. Statt zu fragen, stellt sich der Macher oder Sar- kastiker über alle anderen Men- schen und erklärt sie für dümmer als sich selbst. Letztlich eigentlich sehr schade und ein Armutszeug- nis, wir sollten wirklich alle noch bereit sein, ein kleines bisschen Ungewissheit in Kauf zu nehmen. Der eine kann und mag vielleicht nicht helfen, dann aber der an- dere vielleicht umso energischer. Jesus veränderte die Welt und war immer offen dafür, Hilfe an- zunehmen und Hilfe anzubieten. Was hat also dieser Helfer Simon von Cyrene mit Jesus zu tun? Er, der da ganz unverhofft nach ge- taner Arbeit vom Felde kommt und plötzlich aufgefordert wird, Jesus beizustehen. Wieso genau ich, denkt sich Simon, denken wir uns … Wenn wir jemanden sehen, der Hilfe benötigt, ent- schuldigen wir uns lapidar, wieso soll genau ich helfen, es gibt doch noch viele andere Men- schen. Simon wird notgedrungen zum Helfer und das verändert sein Leben, wie es die Überliefe- rung beschreibt. Unter dem Kreu- ze werden aus Fremden Brüder, man kommt dem Gegenüber in seiner Not unwillkürlich so nah, dass dieMauern fallen, mit denen sich die Menschen auf Abstand halten. Der Körper des einen wird zumHalt des anderen, dieWange des einen drängt sich an die Wange des anderen: zwei stehen zusammen und werden eins, hal- ten sich gegenseitig und sind dadurch unglaublich viel stärker. Sie vermögen es, dieses riesige Kreuz aus scharfen Kanten, das die Schwierigkeiten unseres Le- bens darstellen könnte, gemein- sam zu stemmen. Diese Erfah- rung erleuchtet Simon und gibt ihm im weiteren Verlauf seines Lebens unglaublich viel Kraft und Stärke! Wir alle kennen diese po- sitive Erfahrung, wenn wir selbst-  Die Heilige Veronika reicht Jesus das Schweißtuch. Bild: Füssener Heimatzeitung

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==