Füssener Heimatzeitung Nr. 202

183 Füssener Heimatzeitung Nr. 202 vom März 2021 Schneide der Säge machte keinen Unterschied zwischen dem Holz, das er sägte und seinem Finger, als er diesen im schlaftrunkenen Zustand durch die Säge schob. Ein kurzer, stechender Schmerz und der Finger war ab! „Sakradi”, fluchte der Paul, „gerade jetzt wo das Sommertraining läuft.“ Mehr besorgt um sein Sommer- training als um seinen abgetrenn- ten Finger – den er noch schnell in die Tasche schob - lief er gera- dewegs ins Krankenhaus. Ohne sich bei der Anmeldung irgend- etwas anmerken zu lassen, setzte er sich still und bescheiden wie er war, ins Wartezimmer zu den anderen Patienten. Erst als sich schon langsam eine Blutlache unter seinemStuhl bildete, brach- te ihn die Schwester sogleich zum Arzt, doch jede Hilfe kam zu spät. Der Finger war nicht mehr zu retten. Finger ab oder dran Schon nach zwei Wochen hielt es Paul Ambros zu Hause nicht mehr aus und zwang seine ver- wundete Hand in den engen Eis- hockeyhandschuh, so vernarrt war er in sein Sommertraining, das er unter keinen Umständen vernachlässigen wollte, Finger ab oder dran. Auch wenn man dem Paule nachsagte, dass er kaum Schmerz empfinden würde, sah man ihn immer wieder die Zähne zusammenbeißen, vor allem dann, wenn schon das Blut aus dem Handschuh lief, weil seine Wunde noch nicht ganz verheilt war. Nachwuchs Auch der Füssener EV bekam re- gelmäßig Nachwuchs. Neu ins Team schafften es „Riesenbaby” Hans-Jörg Nagel als Abwehrspie- ler und Leonhard Waitl für den Angriff. Im Oktober 1957 nahm Paul Ambros noch am Drei-Län- der-Turnier teil, wo es gegen die CSSR-Junioren und die Italiener ging. Beide Spiele verlor die deut- sche Nationalmannschaft, was zur Folge hatte, dass die Offiziel- len des deutschen Eishockey- sports eine Teilnahme an der kommenden Weltmeisterschaft in Oslo für ausgeschlossen hiel- ten. Die Presse sah das jedoch anders und beurteilte diese Ent- scheidung als kurzsichtig und dumm, doch das half dem Paule auch nichts mehr. Wieder fehlten dem Tiger vom Hopfensee eine weitere WM und einige Länder- spiele in seiner Bilanz. Der in- ternationale Ruf des EV Füssen blieb jedoch unberührt von dem schwachen Spiel der deutschen Mannschaft. Auch wenn die Spie- le verloren waren, gewann Paul Ambros immerhin einen guten Freund und späteren Klubkolle- gen, Jozef Capla, dem er imSpiel gegen die CSSR zum ersten Mal gegenüberstand. Capla war ein großer Bewunderer seiner uner- schrockenen Spielweise und äu- ßerte sich stets positiv über den Tiger vom Hopfensee. ■ Fortsetzung folgt  Paul Ambros im Krankenbett nach seiner schweren Hand- verletzung. V.l.n.r: Rudi Thanner, Ernst Trautwein und Helmut Zanghellini. Bild: privat Name : Paul Ambros Spitzname : Der Tiger vom Hopfensee Geburt : 22. Juni 1934 in Hopfen (heute: Hopfen am See) Gestorben: 26. Juni 2015 in Füssen Beruf : Zimmermann Position : Verteidiger Schusshand : rechts EV Füssen : 1953 - 1965 Augsburger EV : 1965 - 1973 Auszeichnung : Silbernes Lorbeerblatt Errungenschaften : 11 Mal Deutscher Meister Trikotnummer : 5 Info-Kasten

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