Füssener Heimatzeitung Nr. 197
99 Füssener Heimatzeitung Nr. 197 vom Dezember 2020 Müller, kann sich noch gut erinnern: „Mein Vater (Grum Franz) war zu dieser Zeit 2. Vorstand und „durfte“ sich um alles kümmern. Es war selbstver- ständlich, dass der Kehle Toni, seines Zeichens Busunternehmer und zugleich Vereinsmitglied, uns chauffieren würde. Am Vorabend der Abreise war nochmals Lagebesprechung in der „Woaza“, unserem Vereinslokal. Dass Ihr mir ja alle morgen in der Früh um vier Uhr pünktlich amSchrannenplatz seid, tönte mein Vater lauthals! Wer nicht da ist, bleibt hier …” Um vier Uhr früh waren alle pünktlich, nur der Grum Franz und seine zwei Frauen (Emma und Josefa) fehlten. Um halb fünf waren die drei immer noch nicht da, was tun? Ohne ihn abreisen ging gar nicht, er hatte alle Unterlagen, die Quar- tierzuweisungen und das Geld. Emmi Grum erzählt weiter: „Also, die ganze Truppe rein in den Bus und in die Ziegelwies gefahren, um die Schnarcher aus den Federn zu hauen. Chaos und Blamage war groß bei Familie Grum. Der Vater war auf einmal ganz klein. Ratz fatz waschen, kämmen, anziehen.” Man muss dazu wissen, dass die Reise in Festtracht angetreten wurde, das heißt, die Frauen im engen Mieder, dem warmen Lodenrock, den zwei Unterröcken, der weißen Bluse, dem Sei- dentuch und dem Seidenschurz, den gestrickten weißen Strümpfen und den schwarzen festen Schu- hen, dem Hut, der Vater im weißen Trachtenhemd, der Lederhose, den Wadlstrümpfen, den Haferl- schuhen, dem Janker und der blauen Krawatte und dem Hut. Das alles musste noch in Windeseile angezogen werden. Die Morgentoilette fiel dem- zufolge spärlich aus und das Frisieren der Damen- frisuren wurde dann im Bus nachgeholt. „Am Abend zuvor hatte meine Mutter noch zwanzig Eier gekocht, als Reiseproviant für die Hin- und Rückfahrt. Und all das wurde in der Hektik natürlich vergessen, zusammen mit den sechs Broten, den Äpfeln, dem Sprudel und dem Bier. Mir war das recht, ich durfte alles futtern, weil ich ja daheim bleiben musste.” ■ Fortsetzung folgt! Der Männerchor mit Dirigent Hartl Lang um 1938. Bild: Hermann Arnold, Fotoarchiv Arnold Fortsetzung von Seite 97 Gebirgstrachten- und Heimatverein D’Neuschwanstoaner Stamm Füssen e.V. Gründung : 17. November 1900 Mitglieder : ca. 200 Höhepunkte des Geburtstagsjahres Festwoche vom 1. - 4. Juli Am 1. Juli : Ausstellungseröffnung „Sehnsucht nach Heimat - Trachtenkultur im Füssener Land” Museum der Stadt Füssen Dauer : 2. Juli - 31. Oktober Am 3. Juli : Vortrag Prof. Wolf von der Univer- sität Augsburg und Vortrag von Monika Hoede, Leiterin der Trachtenkultur-Beratung des Bezirks Schwaben 3. Juli : offizielle Neuweihe der frisch restau- rierten Fahne von 1963 Info-Kasten
RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==