Füssener Heimatzeitung Nr. 192
69 Füssener Heimatzeitung Nr. 192 vom Juli 2020 Fortsetzung auf Seite 70 allem zur Unterhaltung der Kinder veranstaltet, aber auch die Kir- chenkasse wurde dadurch gefüllt. So ein Volksfest sah in der da- maligen Zeit sehr bescheiden aus, es bestand aus einem Glückshafen, einemSchießstand, einem Stand mit Würstchen, ei- nem für Süßigkeiten und - was nie fehlen durfte - einem Ketten- karussell. Sein ganzer Stolz war das Kettenkarussell Der Besitzer des Kettenkarussells war auch schon eine Attraktion für sich. Er war sehr gesellig und hatte immer kohlrabenschwarze Hände und sein Gesicht war voller Ruß. Er hatte im Ersten Weltkrieg ein Bein verloren und aus diesem Hosenbein schaute ein dünnes, abgenutztes Holzbein mit Gum- mikappe heraus. Mit diesemHolz- bein ging er den ganzen Tag die Karusselltreppe auf und ab und half den Kindern beim Einsteigen. Dabei zerfiel das Holzbein jedes Mal mehr. Sein Kettenkarussell war sein ganzer Stolz und Le- bensinhalt. Am letzten Abend des Volksfestes bauten alle um- liegenden Stände ihre Buden ab, nur das Kettenkarussell wurde abgeschaltet und der Besitzer kletterte in seinen Wohnwagen, machte es sich bei einem Feuer Eckhard Marquardt betreibt heute mit voller Leidenschaft den Welschenwirt in Lechbruck. Bild: Füssener Heimatzeitung
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