Füssener Heimatzeitung Nr. 192

31 Füssener Heimatzeitung Nr. 192 vom Juli 2020 Doch führte der Weg in diesem Jahr nicht wie üblich nach Augs- burg oder einer anderen „nahen” Stadt, die schon eine Marschzeit zurück von zwanzig Stunden zu- rück beinhalteten. Nein, in die- sem Jahr trieb Franz Pfeiffer den Lech bis zur Einmündung in die Donau bei Rain hinab und von dort aus noch viel weiter. Bis nach Budapest, im weit entfern- ten Ungarn, ließ er seine Baum- stämme treiben, wo er sie schließ- lich für einen guten Betrag an den Mann brachte. Schließlich, wie es für Flößer üblich war, ver- richtete er den gesamten Rückweg von Budapest nach Schwangau zu Fuß. Das sind ca. 720 Kilometer bei heutigen Straßenverbindun- gen. Zu Zeiten von Franz Pfeiffer waren das sicherlich noch weitaus mehr und der Fußmarsch konnte bis zu einemMonat gedauert ha- ben. Währenddessen hatte sich die Frau um alle am Hof anste- henden Arbeiten und die Kinder kümmern müssen. Schweres Leben Daraus kann man sehen, dass das Leben als Bauer früher alles andere als einfach gewesen ist und kaum jemand heute einen realistischen Zugang dazu hat, wie es gewesen sein muss, für seinen Lebensunterhalt 720 Ki- lometer zu marschieren. Was für uns undenkbar erscheint, war zu damaliger Zeit notwendig. Es gibt einige solcher Geschichten, wie sie Franz Pfeiffer erlebt hat. Es gab keine Fuhrunternehmen, kei- ne LKWs oder gar ein Automobil. Die Menschen lebten von dem, was sie hatten, und das waren Tiere, Wälder und ein Fluss vor der Haustüre. Franz Pfeiffer starb schließlich am 22. Juni 1893 im Alter von 79 Jahren in Schwangau. Sein Enkelsohn hieß Georg Pfeif- fer und sollte 26 Jahre Bürger- meister von Schwangau werden. So lässt sich ein Name wie Franz Pfeiffer zumindest schwach zu einem Bild formen und wir be- kommen einen Einblick in das Leben eines Mannes und in eine Zeit, die schon einhundertfünfzig Jahre her ist. ■  Der Enkel von Franz Pfeiffer, Georg Pfeiffer, war 26 Jahre Bürgermeister von Schwangau. Bild: AdobeStock_219922333 Fortsetzung von Seite 29

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