Füssener Heimatzeitung Nr. 192

153 Füssener Heimatzeitung Nr. 192 vom Juli 2020  Die Misteldrossel hat sich eine hohe Warte zur Beobachtung ausgesucht. Bild: Pixabay in einen Kuckuck verwandelt, beim Drosselbart-Märchen gibt es einen Zusammenhang zwi- schen Drossel und abgewiesenem Freier. Hier spiegelt sich imhöchs- ten Maße Geschichte, schon bei den alten Griechen. Die Ehe zwi- schen Hera und Zeus blieb übri- gens kinderlos - oder genauer: Hera gebar nur furchtbare Unge- heuer, darunter das Endzeit- Monster Typhon, vor dessen An- griff der ganze Olymp die Flucht ergriff. Geliebt hat Hera ihren zwangsweise Angetrauten nie. Ebenenwechsel Auf einer anderen Ebene handelt das Märchen vom König Drossel- bart davon, wie ein Mädchen zu einer Königin wird. Das Mädchen geht durch eine Krise und hat erst dann, wenn sie ihre Arroganz und ihren Stolz abgelegt hat, die Voraussetzung, eine gute Königin zu werden. Der mythologische Name „Drosselbart” deutet darauf hin, dass es um eine Begegnung mit der Muttergöttin (denn die Drossel ist eindeutig weiblich vorgestellt) geht, die hier durch die Person des königlichen Freiers eine Prüfung und Reifung des Mädchens verlangt. Die Drossel wird auch manchmal mit dem Teufel (eine patriarchale Überla- gerung) in Verbindung gebracht und auch das Verhalten des König Drosselbarts in Bezug auf das wilde Reiten durch die Töpferware hat Anklänge an Wotan-Odin und die wilde Jagd. Die Anführerin der Wilden Jagd war jedoch ur- sprünglich die Frau Holle. Die Vorstellung der Frau Holle wurde in späterer Zeit vielfach durch eine männliche Figur wie Percht- hold (Berthold) oder Wotan ab- gelöst. Die Wilde Jagd ist manch- mal von Musik begleitet. Auch dieses Element findet sich im Kö- nig Drosselbart, denn er tarnt sich als Spielmann. So offenbart das Märchen, das die Gebrüder Grimm aufgezeichnet haben, eine große mythologische Tiefe. ■ Ordnung: Sperlingsvögel Unterordnung: Singvögel Familie: Drosseln l at. Name: Turdidae Info-Kasten

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