Füssener Heimatzeitung Nr. 192
151 Füssener Heimatzeitung Nr. 192 vom Juli 2020 unbeschwerte Flug der Drossel durch die Natur wird als Freiheit der Gedanken und ein unbelas- tetes Seelenleben interpretiert. Auch das spirituelle Bewusstsein drückt sich durch dieses Traum- bild aus. Schnapsdrossel Gemeint ist mit Schnapsdros- sel jemand, der gerade oder gewohnheitsmäßig zu viel Al- kohol trinkt. Die Bezeichnung ist allerdings nicht direkt von einem Vogel abgeleitet, son- dern von dem ursprünglichen Wort für Kehle, das noch in „erdrosseln“ oder in „König Drosselbart“ erhalten geblie- ben ist. Allerdings hat die Drossel auch einen torkelnden Flug, so dass damit auch der torkelnde Gang eines Alkoholikers vergli- chen werden kann. „Schnaps“ meint in diesem Zusammenhang auch nicht den Alkohol, sondern leitet sich aus dem niederdeut- schen „Snaps“ her, das imSinne von „schneller Schluck“ ge- bräuchlich war. Drosselbart Rätselhaft aber ist der Spottname Drosselbart. Die Erzählfigur im Märchen erklärt, das Kinn sei krumm gewesen wie der Schnabel einer Drossel. Dieser Vogel hat aber einen geraden, spitzen Schnabel. Dieser hilflose Er- klärungsversuch zeigt, dass Drosselbart nicht frei erfun- den ist. Das Wort 'Kinn' war früher nur in bestimmten Ge- genden, etwa in Hessen ge- bräuchlich. Das Wort Drossel für Kehle wurde jedoch im ganzen deutschen Sprach- raum verwendet. Der Bart kennzeichnet sehr stark die Persönlichkeit des Mannes. Manche Staatsoberhäupter hat man sogar nach ihren Bärten be- nannt, wie „Kaiser Rotbart“. Die Amsel nimmt ein Bad. Bild: Pixabay Fortsetzung auf Seite 152 Alte Briefmarke aus der DDR mit dem Motiv König Drosselbart. Bild: Wikipedia, gemeinfrei
RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==