Füssener Heimatzeitung Nr. 189

32 Füssener Heimatzeitung Nr. 189 vom Mai 2020 Der Wucherer wird in seiner Wechselstube im dreizehnten Bild vom Tod überrascht Wie bereits angekündigt, veröffentlicht die Füssener Heimatzeitung in den nächsten Ausgaben in der historisch richtigen Reihenfolge jeweils ein Bild des Füssener Totentanzes, einem Monumentalkunstwerk des Füssener Künstlers Jakob Hiebeler (*unbekannt, + zwischen 1618 und 1623), das im Jahr 1602 entstand und zu den bekanntesten Totentänzen zählt. Zu besichtigen ist der Füssener Totentanz in der St. Anna-Kapelle. Ein Bericht von Uta Creutznacher Serie: Der Füssener Totentanz Die Pest für den Wucherer Obwohl er sich geradezu hinter seinemWechseltisch verschanzt, reißt ihn der Tod mit beiden Ar- men zu sich her. Der Wucherer ten, die an diese christlichen Ver- bote nicht gebunden waren. Der Begriff „Wucherer“ spiegelt mög- licherweise auch ein Vorurteil ge- genüber dem jüdischen Geldver- leih wider, demman gerne in Kri- senzeiten den „Schwarzen Peter“ zugeschoben hat. Wenn die Ge- schäfte gut gingen, dann war der Jude ein Geldverleiher, der ein- zige, von dem man sich Geld überhaupt leihen konnte, und wenn es zu Krisen kam, wurde er alsWucherer beschimpft. Rein- hold Böhm weist in seinem Heft über den Füssener Totentanz „Sagt Ja Sagt Nein – Getanzt Mu- ess Sein“ darauf hin, dass die Kleidung desWucherers stark der des Arztes ähnelt. Ob Jakob Hie- beler damit allerdings etwas Be- sonderes zum Ausdruck bringen wollte, ist leider unklar.  Wuchermedaille 1923 von Friedrich Wilhelm Hörnlein, am oberen Rand signiert: F. H. 1923, geprägt in der Münzstätte Muldenhütten Bild: Weners, Wuchermedail le 1923, CC BY-SA 3.0 ist düster gemalt, das korrespon- diert wohl mit der Anklage des Todes, dass der Wucherer ein gottloser Mann sei, der die armen Menschen verderbt habe. Des- halb wird ihm nun „der schwarze Tod“, eine Bezeichnung für die Pest, geschickt. Unter einemWu- cherer wird eine Person verstan- den, die für eine Leistung eine deutlich überhöhte Gegenleistung fordert. Ein Wucherer wäre also jemand, der einem anderen Geld leiht und dafür stark überhöhte Zinsen einfordert. Juden dominierten die Geldgeschäfte ImMittelalter war es den Christen aus religiösen Gründen verboten, Geldgeschäfte beruflich zu be- treiben. Dieser Wirtschaftszweig blieb somit den Juden vorbehal- Die Pest sucht den Wucherer heim.

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