Füssener Heimatzeitung Nr. 184
133 Füssener Heimatzeitung Nr. 184 vom Januar 2020 / II chenland dienten die Helme der Krieger deswegen auch in erster Linie dazu, deren Haare und somit deren Lebenskraft zu schützen. Auch in unseren Breitengraden ist überliefert, welch hohen Stel- lenwert die Haare beispielsweise bei den Alemannen hatten. Lan- ges, natürliches Haar war ein Ausdruck von Freiheit und Stärke, ein Privileg, das sich nicht jeder leisten durfte. Deswegen wurde allen Knechten und Mägden auch verboten, ihr Haar lang zu tragen, denn sie waren unfrei. In dem Roman von Gabriele Beyerlein „Der dunkle Spiegel”, welcher die Welt der Alemannen im 5. Jahrhundert nach Christus be- schreibt, heißt es in einer Pas- sage, in der ein junger Mann das Haar einer Fürstentochter berühr- te: „Er hat mein Haar angefaßt. Eine solche Beleidigung darf sich kein Mädchen gefallen lassen. Mein Vater wird es Folcmar büßen lassen, dann muss ich mich nicht mehr so schämen. Mein Haar an- zufassen! Das ist fast so schlimm, als hätte er mir Gewalt angetan. Er soll es büßen, er soll!” An die- sem Gefühlsausbruch kann man erkennen, welch hohen Stellen- wert die Haare hatten, sie waren heilig. Die Fährtenleser der Erde Nicht zuletzt gaben die Indianer uns den Beweis dafür, dass un- sere Haare nicht umsonst wach- sen oder gar lästig sind. Wie könnte das auch sein, wenn doch unser Körper jeden Körperteil mit Bedacht wählt, herausbildet und pflegt. Nichts an uns kann um- sonst sein. Als im Vietnamkrieg indianische Fährtenleser mit au- ßergewöhnlichen Fähigkeiten re- krutiert wurden, musste sich selbst das Militär damit abfinden, dass diese Männer die verpflich- tende Kurzhaarfrisur nicht tragen konnten. Als nämlich den india- nischen Überlebenskünstlern das Haar abgeschnitten wurde, ver- lernten sie der Erde zuzuhören, verloren sie ihre Intuition und konnten keinemweiterhelfen. Ihr „sechster Sinn” war stumm ge- worden und feine Schwingungen entzogen sich ihrer Wahrneh- mung. Nach mannigfaltigen Un- Fortsetzung von Seite 131 Fortsetzung auf Seite 134 Ihre schwarzen Haare waren der Mantel, hinter dem er verschwinden und nie wieder auftauchen wollte. Bild: privat
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