Füssener Heimatzeitung Nr. 181

96 Füssener Heimatzeitung Nr. 181 vom November 2019 Fortsetzung von Seite 94 einen von Heras Lieblingsvögeln und flatterte Schutz suchend in ihren Schoß. Sie barg den jungen Vogel unter ihren Kleidern, um ihn vor dem Unwetter zu bewah- ren und sah sich plötzlich von Zeus, der wieder seine wahre Ge- stalt annahm, vergewaltigt. Kuckuck - da! Wer hat sich als Kind nicht auch schon einmal versteckt und dann auf ein „Kuckuck - da!” hin, sich gezeigt. Dies ist nicht nur ein Kinderspiel, sondern hat einen starken mythologischen Hinter- grund. Der Wechsel zwischen sichtbar und unsichtbar wird in ein Spiel gefasst. Dabei ist das Wort Kuckuck nicht beliebig oder zufällig gewählt. Einerseits gibt es die Klangähnlichkeit zwischen Kuckuck und Guck-Guck (von gu- cken = schauen, sehen) was die Verwendung nahelegt. Anderer- seits ist das Wort Kuckuck von vorne und hinten gleich, wie das Wort Anna, Otto oder tot. Die Worte, die von vorne und hinten gleich sind, haben eine magische Bedeutung und sind ein Symbol des stetigen Wandels von Leben in Tod und von Tod in Leben. So eben wie vor dem Tag eine Nacht liegt und nach dem Tag wieder eine Nacht kommt, in unendlicher - und damit zeitloser - Wiederkehr. Das ist ein kosmisches Gesetz von Sterblichkeit und Unsterb- lichkeit zugleich. So wie das Se- hen mit dem Tag/Leben und das Nichtsehen mit der Nacht/Tod gleichgesetzt werden kann. Ganz deutlich ist wahrnehmbar, dass es in der Mythologie eben nicht nur um eine botanische Spezies geht, sondern um Wesenhaftig- keit, die sich vielschichtig zeigt.  Der Kuckuck mit seinen außergewöhnlichen roten Augen.

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