Füssener Heimatzeitung Nr. 181
41 Füssener Heimatzeitung Nr. 181 vom November 2019 Fortsetzung auf Seite 42 er mehr auf etwas Handfestes, Greifbares, Materielles auf. Ja, die Angst lässt den Geizigen fest- halten, mit eisernem Griff. Das Leben ist ein Fluss Und würde man das Leben als Fluss sehen, der ständig in Be- wegung ist und ständig Verän- derung bringt, so klammert sich der Geizkragen am Ufer des Flus- ses fest, um sich all den Risiken zu entziehen. Es ist nur so, dass er sich damit auch dem Leben entzieht und sein Hab und Gut zu toter Materie macht, die ihm praktisch zwar ein Gefühl von Si- cherheit gibt, aber allem Leben Die Todsünde Geiz und Enge von Pieter Bruegel dem Älteren. Bild: gemeinfrei, Wikipedia beraubt ist. Denn was ist das Le- ben? Ist es Materie oder ein Ge- fühl? Wohl eine Mischung, die nicht zu trennen ist und ohne Gefühl kann das Leben nicht sein. Alles ist nur noch ein Objekt Ein Geiziger ist automatisch eng und Gefühle haben nur wenig Platz. Interessant ist jedoch auch das Zusammenspiel zwischen Geiz und Gier. Geiz ist etwas Emotionsloses und Gier eher et- was Emotionsvolles und doch hängt beides so eng zusammen. Beide Charakterzüge lassen alles zu toter Materie werden, die man besitzen will. Der Geizkragen dis- tanziert sich von allem und ist nur noch voll Berechnung, dass es ja nicht zu viel kostet. Ob Geld oder Gefühl, dem Geiz ist alles zu teuer. Und der Gierschlund kann nicht genug bekommen. Er giert, lechzt und kann gar nicht mehr wertschätzen, was einzelne Zuwendungen und Gegenstände wirklich wert sind. Er will immer mehr. Und dadurch wird auch hier alles zu etwas Totem, dem die ursprüngliche Lebendigkeit und Bedeutung entzogen wurde. Es besteht zu nichts mehr Bezie- hung. In beiden Charakterzügen wird alles zu einem kalkulierten
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