Füssener Heimatzeitung Nr. 173
68 Füssener Heimatzeitung Nr. 173 vom April 2019 te der Präsident des Handwerks bei einer Zeremonie das Meis- terprüfungszeugnis und wünschte Georg Keller noch viel Glück und Erfolg im Berufsleben. So fuhr Georg als frischgebackener Bä- ckermeister in seine neue Heimat Lechbruck zurück. Semmel mit Diamalt und ohne Diamalt Der Backwarenumsatz stieg von nun an ständig in die Höhe und so konnte Georg schon einen Ge- sellen und einen Lehrling ein- stellen. Zehn Jahre später, im Jahre 1961, übergaben dann sein Onkel Georg, sein Taufpate, und seine Tante Anna das ganze Ge- schäft mit Haus und Garten an Georg. Sie zogen sich in ihr Aus- tragshaus zurück, das sie sich schon vor einigen Jahren gebaut hatten, halfen aber noch lange im Geschäft mit. Einmal kam ein Handelsvertreter für das Back- triebmittel „Diamalt” in die Bä- ckerei und der Onkel von Georg Keller stand auch in der Back- stube. Auf dem Arbeitstisch wur- de ein farbiger Werbeprospekt ausgebreitet auf dem links ein dicker Bäcker mit einer großen Semmel, rechts ein sehr dünner Bäcker mit einer ganz kleinen Semmel abgebildet war. Darunter stand: Semmel mit Diamalt und ohne Diamalt. Georgs sonst so ruhiger Onkel sah rot, denn er bezog den dünnen Bäcker per- sönlich auf sich und rief: „Das ist ja eine Unverschämtheit, mich so darzustellen, nur weil ich noch kein Diamalt verwende!“ Alle Be- sänftigungen des Vertreters hal- fen nichts, der Onkel warf ihn kurzerhand aus der Backstube und schrie ihm noch nach, er solle sich ja nicht mehr blicken lassen. Georg verliebt sich Georg Kellers Mutter Elisabeth war eine weise Frau. Doch in ei- nem Punkt irrte sie sich, denn sie sagte zu ihm, er solle froh sein, dass er so gebraucht werde, denn zu viel Freizeit sei schlimmer als zu viel Arbeit. Jedoch konnte Georg bei diesemStress natürlich keine Frau finden. Doch eines Tages kam eine schicke Frau aus Altenstadt in die Bäckerei, um Kleie und Hühnerfutter zu kaufen. Dabei verliebte sich Georg auf Anhieb in diese Frau, die Isolde Marxer hieß. Auch Isolde war so- fort in Georg verliebt. Die beiden verabredeten sich sobald sie konnten und Georg besuchte sie oft in Altenstadt. Obwohl Isolde eigentlich immer einen feurigen Tänzer als Mann wollte und Georg dieser Anforderung überhaupt nicht entsprach und auch Isoldes strenge Mutter etwas gegen eine Ehe mit Georg einzuwenden hat- te, heirateten beide 1963. Auch im Beruf ein Traumpaar Isolde war ein geborenes Ver- kaufsgenie und nach der Hochzeit zogen die beiden zusammen und bauten drei Jahre später das gan- ze Haus um. Die Landwirtschaft wurde stillgelegt und aus dem alten Ochsenstall entstand ein schöner neuer Laden. Durch den starken Aufschwung der Bäckerei wurde alles andere nebensäch- lich. Georg trat genau in die Fußstapfen seines Onkels und Fortsetzung von Seite 67 Brotbacken war nur eine seiner vielen Künste. Bild: Bauer-Verlag
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