Füssener Heimatzeitung Nr. 171

131 Füssener Heimatzeitung Nr. 171 vom März 2019 / I Beide Bilder: Füssener Heimatzeitung rissen hatte. Nicht umsonst waren die Städte früher stolz da- rauf, wenn man schon von wei- tem an den Toren und Türmen einer Stadt erkennen konnte, wie es um sie bestellt war. Heute künden meist nur noch seelenlose und überall gleichar- tige Gewerbegebiete mit Ein- kaufsmärkten davon, dass sich eine Stadt der üblichen Einheits- architektur unterworfen hat und keinen eigenständigen und un- verwechselbaren Geist mehr be- sitzt. Unser heutiges Heimaträt- sel ist damit Abgesang auf eine unwiederbringlich verlorene Ver- gangenheit, aber zugleich auch eine Aufforderung, sich wieder auf städtebauliche Tugenden zu besinnen und möglicherweise das eine oder andere zerstörte Objekt wieder aufleben zu las- sen! Sie finden unser heutiges Hei- maträtsel an einem Haus am Rand der Altstadt. Allerdings müssen Sie genau hinsehen, denn unsere Türangel ist das ein- zig erhalten gebliebene Teil der Tür bzw. des Tores. ■ ckels jeweils Medaillons mit den Portra ̈ ts der Vorga ̈ nger Luitpolds, Maximilian II. und Ludwig II., an- gebracht wurden. Die Gesamt- komposition erhielt daraufhin den Namen „Wittelsbacher Denk- mal“. ImVolksmund hat sich die- ser Name jedoch nicht durchge- setzt, jedermann spricht einfach nur vom „Luitpold-Denkmal“. So muss also Ko ̈ nig Ludwig II. ein Schattendasein ausgerechnet zu Fu ̈ ßen seines ungeliebten Nach- folgers fu ̈ hren (demmanche sogar eine erhebliche Mitschuld am Tod Ludwigs zuweisen). Eigentlich Zeit, dass die Stadt Fu ̈ ssen sich eines Besseren be- sinnt und dem beru ̈ hmtesten Sohn der Wittelsbacher ein echtes und seiner wu ̈ rdiges Denkmal setzt! Kleines Beiwerk Fu ̈ ssens einziges „Denkmal“ fu ̈ r Ludwig II. von Bayern findet sich als Beiwerk an einem anderen Denkmal, na ̈ mlich amSockel der Statue von Prinzregent Luitpold, die in der Mitte des „Luitpold- Kreisels“ am Prinzregentenplatz aufgestellt ist. Die Honoratioren der Stadt hatten 1902, im Jahr der feierlichen Einweihung des Denkmals, wohl eher das Bedu ̈ rfnis, dem jovialen Prinzre- genten anstatt dem ra ̈ tselhaften Ma ̈ rchenko ̈ nig ein Denkmal zu setzen. Luitpold hatte nach dem Tod von Ludwig II. die Regent- schaft fu ̈ r dessen Bruder, Otto I., u ̈ bernommen, der wegen einer Erkrankung die Regierungsge- scha ̈ fte nicht ausu ̈ ben konnte. In ganz Bayern wurden seinerzeit Statuen des Prinzregenten aufge- stellt, sodass die Fu ̈ sse- ner Bu ̈ rger hier auch nicht zuru ̈ ckstehen woll- ten. Schlechtes Gewissen? Ein wenig scheint die Verantwortlichen aber doch das schlechte Ge- wissen geplagt zu ha- ben, sodass als „Feigen- bla ̈ tter“ auf der su ̈ dli- chen und der no ̈ rdlichen Seite des Denkmalso- Serie: Heimaträtsel Auflo ̈ sung des Heimatra ̈ tsels aus der Februar I-Aus- gabe der Fu ̈ ssener Heimatzeitung, Nr. 169, Erinnerung an den berühmtesten König Bayerns

RkJQdWJsaXNoZXIy NDYxMw==