Füssener Heimatzeitung Nr. 161

103 Füssener Heimatzeitung Nr. 161 vom August 2018 / II Das Kabinett setzt den König unter Druck In München spielte das Kabinett seine ganze Macht aus und wollte der Beziehung zwischen Ludwig II. und Wagner ein Ende setzen. Ludwig II. gab für Wagner und seine Opern immer mehr Geld aus und so stieg auch das jährli- che Gehalt Wagners von anfangs 4.000 Gulden pro Jahr auf über 8.000 Gulden jährlich. Hinzu ka- men immer wieder außerordent- liche Ausgaben, um z.B. Wagners (neue) Schulden zu tilgen. Ludwig veranlasste, Wagner einen Kredit zu geben. Um Wagner zu demü- tigen, zahlten die Beamten ihm den Kredit des Königs in Höhe von 40.000 Gulden ausschließlich in Münzen aus. Diese Geldsäcke wurden in einem offenen Wagen vorgefahren, sodass jeder inMün- chen sehen konnte, wie viel Geld der König für Wagner ausgab, oder aus ihrer Sicht, verschwen- dete. Die Strategie des Kabinetts zahlte sich aus und die Münchner wolltenWagner nicht mehr sehen und wagten einen Aufstand. Wag- ner flüchtete anschließend nach Genf. Wagners Paradies in Bayreuth zieht dunkle Wolken nach sich Nachdem Wagner später in Bay- reuth sein Paradies fand und dort mit tatkräftiger finanzieller Un- terstützung seines Mäzens Lud- wig II. die Bayreuther Festspiele 1876 zum ersten Mal aufführte, wurde dort auch endlich der Ring des Nibelungen uraufgeführt. Ludwig II. war bei einer Auffüh- rung und verhielt sich anschlie- ßend sehr wortkarg. Das verun- sicherte Wagner sehr. Ludwig II. klärte direkt auf, dass seine ho- hen Erwartungen übertroffen wor- den waren und er von dem Stück so ergriffen war, dass ihm schlicht die Worte fehlten. In einem emo- tionalen Brief zeigte Ludwig nach der AufführungWagner seine gan- ze Begeisterung und drückte sie ausführlich aus. Die Beziehung wird auf die Probe gestellt Jedoch schienen die Festspiele nicht überall gut anzukommen, denn Wagner hatte nach dem ersten Jahr ein Defizit von 148.000 Mark aufzuweisen. Wagner hoffte nun, einen gönnerhaften Ludwig II. an seiner Seite zu wissen, der ihm helfen würde, diese schwie- rige Zeit zu überstehen. Doch Ludwig II. war mittlerweile vertieft in seinen Schlösserbau, welcher auch seine finanziellen Ressour- cen erschöpfte. Ludwig II. musste Wagner eine Absage erteilen. Er sah ohnehin einen Erfolg der Bay- reuther Festspiele voraus, welcher Fortsetzung v0n Seite 101  Die Münchner Bevölkerung wollte Wagner loswerden - Various, Die Gartenlaube (1880) b 749, Wikipedia, gemeinfrei Fortsetzung auf Seite 104

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