Füssener Heimatzeitung Nr. 159
192 Füssener Heimatzeitung Nr. 159 vom Juli 2018 Bronzefigur von Caspar Tieffenbrucker - eine Erinnerung an die alten Lautenmacher und Geigenbauer Zeiten genhandwerk. In diese Arbeit stürzte er sich mit vollemHerzblut hinein, und wie sich herausstellte, besaß Johann Anton Gedler eine besondere Begabung. Vielleicht wirkte die Erinnerung an seinen Vater, der auch Geigenbauer war, und er fühlte sich ihm durch die- ses Handwerk nahe. Solch ein feines Handwerk erfordert viel Geduld und Liebe zum Holz, zum Werkzeug und zu dem Werk das man vollbringen will. Ein weiterer Grund, weswegen er sich even- tuell mit so einer Leidenschaft in das Geigenbauen stürzte, war möglicherweise seine dramati- sche Kindheit. So kann man sich gut vorstellen, dass ein junger Knabe, der das Sterben von so vielen Familienmitgliedern mit- erleben mußte, sich etwas sucht, in das er seine Energie hinein- stecken kann, um einen Sinn im Leben zu finden und wegzukom- men von all’ dem Schmerz und der Trauer. Die Wellengeige - ein individuelles Werk Johann wurde vor allem berühmt durch seine Erfindung der Wel- lengeige und sein Geschick im Geigenbau überhaupt. Die Be- sonderheit dieser Wellengeige liegt darin, dass Johann Gedler den Umriss, samt den Einlagen, Futterleisten und auch die Zargen wellig anfertigte, um den Instru- menten ein einmaliges Aussehen zu geben. Er gab selbst den F- Löchern eine wellige Form, so wie er auch die Schnecke mit kleinenWellen im Randel schnitz- te. Eine Geige in dieser Form her- zustellen ist wesentlich aufwän- diger als eine normale Form zu bauen. DieseWellenform ist welt- weit einzigartig und nur von ihm Fortsetzung von Seite 191
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