Füssener Heimatzeitung Nr. 159
151 Füssener Heimatzeitung Nr. 159 vom Juli 2018 Kaiser Karl der Große in Kempten Um 773 war Kaiser Karl der Große mit seiner dritten Ehefrau, Hildegard, in Kempten, wo sie beide das Kloster dort reich beschenkten. Das war fünfund- zwanzig Jahre, nachdem der Heilige Magnus nach Füssen kam und dort seine erste Zelle baute. Da war Karl der Große Füssen wohl am nächsten, sah immerhin unsere wunderschöne Bergkette mit dem weithin sichtbaren Säulingmassiv. Mag sein, dass er sich damals entschied, Füssen als Stiftungsort für sich zu wählen, während seine Frau Kempten vorzog. Karl der Große hatte schon immer ein gutes Gespür für Bedeutung und Macht, und Füssen war nicht unbedeutend, schon gar nicht in der da- maligen Zeit. Reichsfreiheit durch Karl den Großen 1777 noch beteuerte das Kloster St. Mang: „Das uralte Stift und Gotteshaus zu St. Mangen in Füeßen ist zufolg historischer Urkunden von Pippino I., majore domus Galliae et Neustriae duce“, also des von 615-625 amtierenden ersten Hausmeiers der merowingischen Könige, sowie aufgrund wei- terer Urkunden von „Pippino tertio, Galliae et Ger- maniae rege“, also König Pippins I. um 750 n. Chr., wie auch aufgrund von Urkunden von „dessen Sohn Carolo Magno mit vielen Freiheiten fundiert und dotiert worden“. Das bedeutet, dass das Kloster von Karl dem Großen und seinen Vorfahren mit vielen Freiheiten gegründet und ausgestattet wurde, d.h .frei von der geistlichen und weltlichen Vogtei der Bischöfe des Hochstiftes Augsburg, in dessen Diözesangebiet das Kloster lag. Und darum ging es ja den Äbten von Kloster St. Mang, wobei diese Hoffnung auf Reichsfreiheit gegenüber den Bischöfen von Augsburg nur in der ersten Zeit in Erfüllung ging. Da konnte auch das extra polierte Aushängeschild „Kaiser Karl der Große” nichts ausrichten. Und heute schaut er aus dem dunklen Treppenhaus der Toreinfahrt auf die Menschen, die zum Einwohnermeldeamt eilen, oder auch auf die eine oder andere schöne Hochzeitsdame - er war ja noch nie ein weiblicher Kostverächter. Ja, er kannte schon bessere Zeiten, als man noch mit Respekt und Achtung an ihm vorüberzog. Kaum einer schaut heute noch zu ihm auf und irgendwie dünkt er einsam und vergessen. Vergessen ist auch der Glanz des alten Klosters, das jetzt nur noch den weltlichen Dingen frönt. ■ König Pippin I., Deckenfresko in der Loggia des Klosters St. Mang. Quelle: Stadtarchiv Füssen Toreinfahrt in den Klosterhof, rechts im Treppenaufgang hängen die Büsten von Kaiser Karl dem Großen und seinem Vater König Pippin I.
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