Füssener Heimatzeitung Nr. 159

127 Füssener Heimatzeitung Nr. 159 vom Juli 2018 dernen Menschen ihn heute nen- nen würden, nämlich zuerst mit Vornamen, dann mit Nachnamen. Das war noch eine Zeit, da wur- den nicht nur in den umliegenden Dörfern die Menschen noch zu- erst mit ihrem Nachnamen ge- nannt, sondern auch noch in Füs- sen. Es war „dr Christa Franz“, seines Zeichens Hausmeister im „Spital“, wie man das Heilig- Geist-Spital unter den Füssenern kurz nannte. Selbstversorgung Der untere Hof vomSpital grenzte direkt an den Lechuferweg mit der wunderschönen Lindenallee aus damals noch insgesamt 34 Sommer- und Winterlinden an (inzwischen wurden auf Anwei- sung der Stadtverwaltung schon etliche davon gefällt). Und da floß dann jenseits des Weges auch gleich schon der Lech. Gleich neben dem unteren Hof stand dann auch ein Holzgebäu- de, ebenfalls an den Lechuferweg angrenzend. In ihm war im Par- terre ein Stall untergebracht und oben ein großer Dachboden, in dem Heu gelagert wurde. Eine der Aufgaben vom Franz war die Betreuung der zahlreichen Tiere im Stall (mehrere Schweine, ein bis zwei Kühe und etliche Hüh- ner). Schon seit Jahrzehnten wur- den die Altersheiminsassen in den armen Zeiten der ersten Hälf- te des 20. Jahrhunderts teilweise durch diesen Stall mit Lebens- mitteln versorgt. Durch die Kühe erhielten sie Milch, aus der teil- weise auch andere Milchprodukte hergestellt wurden, und Fleisch. Die Schweine lieferten ihnen ebenfalls Fleisch und die Hühner versorgten sie mit Eiern und na- türlich auch mit Fleisch. Diese Tradition führte Franz in den Jahr- zehnten seiner Hausmeistertä- tigkeit weiter. Er kümmerte sich jeden Tag um die Tiere. Meist lief das glatt. Ausgebrochene Schweine Einige Male gab es auch Proble- me. So kam es vor, dass man den Franz im unteren Hof seinen Schweinen schimpfend nachren- nen sah, die sich offensichtlich im dort auch befindlichen Mist- haufen gesuhlt hatten und ent- sprechend verdreckt aussahen. Franz musste die Schweine wie- der zurück in den Stall treiben und sie wieder sauber machen. Das war eine zeitaufwendige und anstrengende Geschichte. Denn die Schweine hatten durchaus ihren eigenen Kopf. Wie konnten die Schweine nur aus dem Stall ausbrechen? Franz hatte einen Verdacht: Die Kinder waren viel- leicht im Stall und haben die Tü- ren vomSchweinepferch und vom Stall aufgelassen. Wie ich hörte, war der Verdacht durchaus zu- treffend. Wusch Ja, der Franz liebte die Kinder des Hauses trotzdem sehr. Das spürte man vor allem an der Art und dem Tonfall, wie er mit den Kindern redete. Den Kindern blieb ihr Hausmeister bis heute in bes- ter Erinnerung. Eines Tages - der Franz war gerade in seiner Woh- nung - kam Schwester Irmlinde zu ihm und meinte ganz außer Atem, dass er doch mal kommen solle, irgendwas stimme nicht mit dem Heuboden vom Stall. Franz lief sofort rüber zum Stall. Am oberen Hof gab es eine Ex- tra-Türe zum Heuboden. Der Schlüssel steckte komischerwei- se außen im Schloss. Irgendje- mand hatte wohl das Versteck entdeckt, wo der Schlüssel an einem Nagel hing. Die Türe war unverschlossen und Franz öffnete sie und ging in den Heuboden. „Wusch“ machte es, und ein gan- zer Haufen Heu landete in seinem Gesicht. Franz sah, wie etliche Kinder, nachdem sie zuerst aus- führlich Verstecken im Heu ge- spielt hatten, in eine Heuschlacht vertieft waren. ■

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